Ölaktien: Statoil Top, Repsol Flop

Der niedrige Ölpreis ist auch an der erfolgsverwöhnten Statoil nicht spurlos vorbeigegangen.

Doch es gibt Lichtblicke. Im 2. Quartal ist der Konzern in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Bei einem Umsatz von 124,4 Mrd NOK schrieben die Norweger einen Gewinn von 10,1 Mrd NOK.

Damit wurden die Markterwartungen deutlich übertroffen. Auch die Aktionäre können aufatmen. Sie erhalten eine stabile Quartalsdividende von 1,80 NOK pro Anteilsschein.

Raffineriemargen sorgen für gutes Ergebnis

Verantwortlich für das gute Ergebnis waren starke Raffineriemargen, die die niedrigen Ölpreise zum Teil kompensieren konnten. Statoil hat aber auch die Kosten gesenkt und sich von Geschäftsanteilen getrennt. Allein der Verkauf der Anteile an einem Projekt in Aserbaidschan spülte 12,3 Mrd NOK in die Kasse.

Dennoch konnte die tägliche Öl- und Gasförderung um 4% auf 1,87 Mio Barrel gesteigert werden. Statoil ist aber längst noch nicht aus dem Schneider. Eine Trendwende bei den Ölpreisen ist nicht in Sicht.

Um die Wettbewerbsfähigkeit in diesem Umfeld langfristig zu sichern, wird der Sparkurs verschärft. Zum einen werden die Investitionen in diesem Jahr um 3% auf 17,5 Mrd $ gekürzt, zum anderen stehen 1.500 Stellen zur Disposition. Mit diesen Maßnahmen will Statoil ab 2016 jährlich rund 1,7 Mrd $ einsparen.

Attraktive Dividendenrendite

Statoil gehört schon wegen der hohen Dividendenrendite zu den attraktivsten Aktien im Ölsektor. Einen Kursschub dürfte zudem die Ankündigung auslösen, ab 2016 in US-Dollar zu bilanzieren. Dadurch wird die Aktie für ausländische institutionelle Anleger interessanter, die bisher das Währungsrisiko gescheut haben.

Unternehmensporträt

Statoil ASA wurde 1972 gegründet und ist der größte Öl- und Gaskonzern in den nordischen Ländern. Statoil ist weltweit in 34 Ländern präsent.

Die wichtigsten Fördergebiete befinden sich in Brasilien, der Nordsee und der Barentssee. Der Konzern betreibt zudem 8 Raffinerien in Norwegen, Dänemark, Deutschland und Großbritannien.

Der niedrige Ölpreis und politische Unruhen in Libyen haben Repsol die Halbjahresbilanz verhagelt

Der Umsatz ging um 14,8% zurück und der Gewinn um 20,6%. Während das Upstream-Geschäft rote Zahlen schrieb, hat sich das Downstream-Ergebnis der Raffinerien und Tankstellen auf 973 Mio € mehr als verdoppelt. Zu dieser guten Entwicklung trug auch die konjunkturelle Erholung in Spanien bei.

Gas Natural Fenosa erzielte ebenfalls einen Gewinn, der mit 227 Mio € aber 20% geringer war als im Vorjahr. Die tägliche Öl- und Gasproduktion stieg um 30% auf 440.000 Barrel und erreichte im Juni sogar den Rekordwert von 660.000 Barrel.

Übernahme in Kanada zahlt sich aus

Geholfen haben die Beiträge der übernommenen Talisman Energy, die seit Mai konsolidiert wird. Mit dem kanadischen Ölproduzenten hat Repsol seine geografische Präsenz erweitert und vor allem einen besseren Zugang zu den nordamerikanischen Schiefergas-Vorkommen bekommen.

Die weiteren Aussichten sind eigentlich ganz gut. Anfang Juli ging das riesige Erdgasfeld im Golf von Venezuela an den Start, das Repsol zusammen mit ENI ausbeutet. Die bewiesenen Reserven belaufen sich auf 480 Mrd Kubikmeter.

Und Anfang 2016 beginnt Repsol gemeinsam mit Total und OMV mit Probebohrungen vor der bulgarischen Schwarzmeerküste. Dort werden bis zu 100 Mrd Kubikmeter Erdgas vermutet.

Trotz der verbesserten Perspektiven entwickelt sich die Aktie deutlich schlechter als der Vergleichsindex IBEX 35. Ein Grund ist die hohe Nettoverschuldung von 13,3 Mrd €. Zudem braucht Repsol einen Ölpreis von mindestens 80 $, um positive Cashflows zu erwirtschaften.

Unternehmensporträt

Repsol gehört zu den 10 größten Erdölunternehmen der Welt. Der Konzern betreibt Exploration, Produktion, Raffinierung, Transport, Verarbeitung und Verkauf von Öl und Gas, Herstellung von petrochemischen Produkten sowie Stromerzeugung. Repsol ist in mehr als 30 Ländern aktiv. Die argentinische Tochter YPF wurde verstaatlicht.

20. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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