Ölkonzerne: Dieser Faktor spricht noch immer für diese Branche

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Die großen Ölkonzerne haben massive Ertragsprobleme. Der Hauptgrund ist der niedrige Ölpreis. Doch ein Faktor spricht noch immer für diese Unternehmen. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Dieses Jahr hat es für die Ölkonzerne wirklich in sich: Das 1. Halbjahr verlief für nahezu alle großen Unternehmen der Branche sehr enttäuschend.

Der Hauptgrund dafür ist schnell gefunden: der total eingebrochene Ölpreis.

Während im 1. Halbjahr 2014 der Ölpreis noch deutlich über 100 Dollar notierte, mussten die großen Ölkonzerne im 1. Halbjahr des laufenden Jahres mit einem Ölpreis auf halb so hohem Niveau klarkommen.

Alle Unternehmen mussten Gewinn-Rückgänge hinnehmen. Etwas besser aus der Affäre konnten sich allerdings spezielle Ölkonzerne ziehen. Das sind die Unternehmen gewesen, die auch Raffinerien betreiben.

Hier bleibt auch bei den niedrigen Ölpreis noch eine ausreichende Marge, da das Rohöl eben auch selbst weiterverarbeitet wird.

Stellenabbau und weniger Investitionen als Reaktion auf niedrigen Ölpreis

Und wie reagieren die großen Ölkonzerne auf die angespannte Lage? Da kann ich nur antworten: mit den üblichen Maßnahmen.

Zum einen erfolgt ein breit angelegter Stellenabbau in der Ölbranche. Gleichzeitig werden die Investitionen in neue Vorkommen deutlich zurückgefahren.

So schätzen einige Branchen-Experten, dass allein in diesem Jahr 180 Mrd. Dollar weniger in der Öl-Industrie in neue Vorkommen investiert worden ist.

Kurzfristig ist diese Strategie sicherlich vielversprechend. Die Aktionäre werden beruhigt. Weniger Geld muss ausgegeben werden.

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Doch langfristig ergeben sich große Probleme für die gesamte Branche. Sollte die Nachfrage tatsächlich innerhalb der nächsten Jahre weiter ansteigen, wird es schwierig werden, diese auch schnell abzudecken.

Derzeit haben wir am Ölmarkt allerdings noch eine Angebots-Schwemme. Die massive Ausweitung der Produktion in den USA ist auch ein wichtiger Grund für den aktuell zu niedrigen Preis.

Solange hier keine maßgebliche Wende zu erkennen ist, fehlen auch die klaren Preistreiber beim Öl.

Durch das starke Aufkommen des politisch sicheren Öl-Standortes USA haben auch die politischen Konflikte rund ums Öl zuletzt deutlich weniger Auswirkungen auf den Preis gehabt.

Ölkonzerne punkten noch immer mit hohen Dividenden

Noch vor 5 Jahren wären die massiven Probleme im Nahen und Mittleren Osten sicherlich der Auslöser für einen massiven Anstieg der Ölpreise gewesen.

Doch jetzt hat diese Region als Öl- Produktions-Standort an Bedeutung verloren und die USA haben sich hier neu positioniert.

Aktuell erleben wir also eher eine strukturelle Verschiebung auf dem Ölmarkt als eine konjunkturell bedingte Schwächephase. Das sollten Sie immer im Hinterkopf haben, wenn es derzeit um Ölaktien geht.

Allerdings bleiben diese Aktien aus einem wichtigen Grund noch sehr interessant: Die Unternehmen verdienen weiterhin Geld und schütten die Gewinne zum großen Teil an die Aktionäre aus.

So liegt die durchschnittliche Dividendenrendite der Ölbranche aktuell bei mehe als 5 %. Das ist deutlich mehr als in den allermeisten anderen Branchen zu erzielen ist.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.