Ölaktien: Wann kann man wieder einsteigen?

Seit Monaten erleben wir den Preisverfall beim Rohöl – und mit dem Ölpreis purzeln auch die Aktienkurse der großen Ölkonzerne und Förderfirmen.

Manch ein Anleger fragt sich bereits, wann die Talsohle erreicht ist und ein Wiedereinstieg lohnt. Doch ein Blick auf die Analysteneinschätzungen verrät: Dafür ist es noch zu früh.

Reihenweise werden die Ölkonzerne – und darunter auch die Big Player wie BP oder Total – von den Analysten herabgestuft, die Kursziele unisono abgesenkt. Auch die Gewinnprognosen für das laufende und die kommenden ein bis zwei Jahre sehen alles andere als rosig aus.

Total, BP und Shell: Seit Jahresbeginn geht’s aufwärts

Beispiel Total: Der französische Konzern hat allein in den vergangenen sechs Monaten 12 Prozent an Wert verloren. Einziger Lichtblick für Aktionäre: Seit Jahresbeginn geht es leicht aufwärts, im vergangenen Monat schlägt ein Plus von rund 3 Prozent zu Buche.

Noch deutlicher konnte sich BP verbessern. Der britische Energieriese profitierte dabei unter anderem von der Meldung, dass das Strafmaß für die Deepwater-Horizon-Katastrophe begrenzt wird. In den vergangenen vier Wochen bedeutete das ein Plus von gut 8 Prozent. Betrachtet man hingegen das letzte halbe Jahr, verzeichnet die Aktie ein Minus von ähnlichem Ausmaß.

Etwas geringer fällt die Schwankung bei Shell aus. Seit Jahresbeginn leicht im Plus, beträgt der Verlust auf Halbjahressicht knapp 6 Prozent.

Analysten sagen Trendwende voraus

Doch ob der starke Januar bereits eine Trendwende markiert, bleibt umstritten. Stattdessen mahnen Analysten zur Geduld. Zwar gehen sie mehrheitlich davon aus, dass sich die Lage am Rohölmarkt in den kommenden Monaten konsolidieren wird. Der Ölpreis wird einen Tiefpunkt erreichen, dann aber wieder anziehen.

Darauf deutet unter anderem die Tendenz hin, dass die Förderländer außerhalb der Opec ihre Fördermenge im neuen Jahr nicht so stark anziehen lassen würden wie gedacht. Das trägt zu einer Anpassung von Angebot und Nachfrage bei, die das Überangebot eindämmen und den Preisanstieg unterstützen soll.

Außerdem raten Analysten dazu, zunächst einmal die jüngsten Quartalsbilanzen abzuwarten, die wiederum das Ausmaß des Preisverfalls für die Ölkonzerne verdeutlichen dürften. Erst auf Basis dieser Werte lässt sich eine realistische Einschätzung der kommenden Monate treffen.

Grundsätzlich solide Branche

Grundsätzlich wird die Branche, die sich für Anleger vor allem durch starke Dividendenrenditen auszeichnet, weiterhin als lukrativ betrachtet. Der bestmögliche Zeitpunkt zum Wiedereinstieg liegt aber den meisten Schätzungen zufolge noch etwas in der Zukunft.

Allein die Deutsche Bank rät bei Total und BP schon jetzt dazu, wieder zuzuschlagen – sie hat in dieser Woche für beide Aktien Kaufempfehlungen ausgesprochen.

Aktuell schwingen jedoch noch zahlreiche Risiken mit. Sicherlich kann sich ein früher Einstieg später auszahlen, doch wer das Risiko scheut und auf Nummer sicher gehen will, sollte womöglich noch ein wenig abwarten.

30. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt