Ölmarkt im Schockzustand und der Preis explodiert

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Nach den Drohnenangriffen auf die wichtigste saudi-arabische Raffinerie ist der Ölpreis zum Wochenanfang in der Spitze um 20% angestiegen. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Die neue Woche startet mit einem massiven Preisaufschlag beim Öl. In der Spitze ist der Preis der Nordseesorte Brent um bis zu 20% auf 72 Dollar pro Barrel gestiegen. Das entspricht einem der stärksten prozentualen Tagesanstiege aller Zeiten. Der Hintergrund dieses massiven Anstiegs ist der Drohnenangriff auf die wichtigste Raffinerie in Saudi-Arabien.

Zwar liegt das arabische Land in der globalen Ölföderstatistik nur noch auf Platz 3 – doch mit knapp 9 Mio. Barrel Ölproduktion am Tag gehört Saudi-Arabien immer noch zu den wichtigsten Ölländern der Welt.

Tatsächlich kann es mit dem Ölpreis jetzt auch noch deutlich stärker nach oben gehen. Darauf verweisen jetzt einige Branchenexperten hin. So sagt der US-Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management: „Derzeit ist fast keine geopolitische Unsicherheit am Ölmarkt eingepreist, der sich derzeit eher mit Handelskriegen und konjunkturellen Probleme befasst.“

Geopolitische Risiken rücken in den Fokus am Ölmarkt

Und einmal mehr rückt natürlich der Mittlere Osten in den Fokus am Ölmarkt. Zuletzt hatten schon Attacken auf Öltanker an der strategisch wichtigen Straße von Hormus für Spannungen gesorgt. Doch erst jetzt mit den Drohnenangriffen auf die Raffinerie Abkaik hat es massive Auswirkungen auf den Ölpreis gegeben.

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Das ist gut nachvollziehbar, denn nach Ansicht von Experten wie Roger Diowan vom Marktforschungsinstitut IHS Markit ist die angegriffene Raffinerie „die wichtigste Öleinrichtung der Welt. Abkaik ist das Herz des Systems, und sie hatte gerade eine Herzattacke.“ Tatsächlich ist jetzt die Produktionsmenge in Saudi-Arabien sofort drastisch gesunken. So meldete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA, dass „die Ölproduktion infolge der terroristischen Attacken um 5,7 Mio. Barrel auf nur noch etwa die Hälfte des üblichen Volumens gesunken.“

Die Experten der Commerzbank sehen nach dem Angriff den „Ölmarkt im Schockzustand“. Zur weiteren Entwicklung sagt Energie-Analyst Carsten Fritsch: „Die in der letzten Woche aufgekommene Hoffnung auf eine Deeskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach den Ereignissen vom Wochenende verflogen. Dies rechtfertigt eine Risikoprämie auf den Ölpreis, so dass die Preise zunächst nicht wieder auf das Niveau von vor den Angriffen zurückkehren dürften.“

An der Entwicklung heute erkennen Sie ganz deutlich: Öl ist und bleibt der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Und bei Beeinträchtigungen des Angebots kann es eben schnell nach oben gehen mit dem Preis.


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Heiko Böhmer
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.