Ölmarkt Update: Jetzt fallen die Preise wieder ins Bodenlose

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Besonders stark sind die Rückgänge beim Ölpreis wieder in den USA. Dort verliert die maßgebliche Sorte WTI zu Wochenbeginn rund 15%. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Eine neue Woche und ein neuer Einbruch am Ölmarkt. Vor allem in den USA ist die dort maßgebliche Sorte WTI wieder stark abgerutscht: Im frühen Handel gab der Preis um rund 15% auf nur noch 14,3 USD pro Barrel nach. Bei der in Europa maßgeblichen Sorte Brent ist die Marke von 20 USD pro Barrel wieder in Reichweite.

Diese Preise zeigen mir eins ganz deutlich: Die Phase der Stabilisierung bei den Preisen ist wohl schon wieder vorbei. Das ist umso erstaunlicher, da einige wichtige Produzentenländer die vereinbarten Kürzungen schon vorverlegt haben. Das gilt für Saudi-Arabien, Kuwait, Nigeria und Algerien. Laut des aktuellen Opec-Beschlusses sollten diese Länder erst am 1. Mai – also am kommenden Freitag – mit den Beschränkungen beginnen.

Ob die Kürzungen der Produktion nun wirklich massiven Einfluss auf den Ölmarkt haben, wird sich aber erst in einigen Wochen zeigen. Dazu müsste sich auch die Nachfrage wieder etwas normalisieren. Die war zuletzt regelrecht eingebrochen.

Insofern bleibt das aktuelle Bild am Ölmarkt bestehen: Es gibt schlicht und einfach zu viel Öl. Auch die Lagerkapazitäten werden immer kleiner. Hier laufen die Tanks fast schon über – das gilt speziell für die Kapazitäten in den USA.

Auch in den USA wird die Ölproduktion fallen

Das ist auch ein Grund, warum dort wohl schon bald die Ölproduktion massiv fallen dürfte. Einen Hinweis darauf liefern immer sehr aktuell die Daten zu den aktiven Ölbohrungen. Nach Angaben der Rohstoff-Experten der Commerzbank sind diese aktiven Bohrungen in der Vorwoche um 60 auf nur noch 378 gefallen. „Das entspricht aber einem Rückgang um 43% innerhalb eines Monats“, merken die Commerzbank-Experten dazu an.

Wie auch in Deutschland sollen bestimmte Teile der Wirtschaft unterstützt werden. Laut Commerzbank dürfte das im Fall der Ölindustrie nicht so viel bringen: „Doch einige diskutierte Maßnahmen wie die direkten Hilfen der Unternehmen oder der Ausruf von “force majeure” würden lediglich die Bereinigung des Marktes von Überkapazitäten hinauszögern.“

Es bleibt eben dabei: Nicht jedes Unternehmen wird diese Krise überstehen. Und gerade die hochverschuldeten Ölunternehmen aus dem Fracking-Sektor in den USA stehen hier jetzt schon mit dem Rücken zur Wand. Este Insolvenzen haben schon gezeigt, wie schnell es selbst bei großen Firmen gehen kann.

Der Ölsektor hat ohne Frage das Potenzial in den USA die Wirtschaft weiter nach unten zu ziehen – wenn es eben zu vielen Insolvenzen kommt. Und eine Insolvenzwelle in dieser Branche ist gut möglich, weil viele Firmen einen Ölpreis von mindestens 45 USD pro Barrel benötigen, um profitabel arbeiten zu können.

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