Ölpreis-Absturz: Für den Charttechniker nicht überraschend

Es ist genau 3 Monate her, da schwappte die Euphorie am Ölmarkt über. Davon ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil:

Die jüngste Entwicklung gibt den Ölpreis-Optimisten inzwischen ernsthaften Anlass zur Sorge. Auslöser waren unerwartet hohe Lagerbestände in den USA.

Eine Rückblende:

Ölpreis-Euphorie hielt sich nur kurz

Nachdem die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) sich Ende November 2016 bereits auf eine Senkung ihrer Fördermengen geeinigt hatten, folgten am Wochenende des 10./11. Dezember Russland und Mexiko dem Beispiel.

Daraufhin machte der Ölpreis (Brent Crude Oil-Future) am darauffolgenden Montag einen Hüpfer auf 57,89 USD. Es war zugleich die höchste Notierung seit Juli 2015.

Viele Marktteilnehmer nahmen dies seinerzeit als Ankündigung einer Fortsetzung der Ölpreis-Rallye. Schauen wir uns die Lage einmal detailliert auf dem Chart an:

brent crude oil-future_13-03-2017

Ölpreis: Der Aufwärtstrend dürfte bald deutlich durchbrochen werden.

Aufwärtstrend seit 2016 in Gefahr

Der Ölpreis war von knapp 116 USD je Barrel (= Fass = 158 l) im Sommer 2014 auf 27,10 USD im Januar 2016 abgestürzt.

Der blaue Pfeil im Chart zeigt es an: Die anschließende Erholungs-Rallye kulminierte in dem Kurs-Hüpfer Mitte Dezember.

Anfang Januar dieses Jahres schaffte der Ölpreis noch einmal für 1 Tag den Sprung knapp über die 58 USD-Marke – das war’s!

Die von vielen erwartete Rallye blieb also aus. Auch ich lag mit meiner damaligen Analyse daneben: Mein Kursziel von zunächst 63 USD wurde nicht im Ansatz erreicht.

Stattdessen setzte der Brent Crude Oil-Future seine schon von April bis November ausgeprägte Seitwärts-Bewegung fort – allerdings in einer deutlich engeren Handelsspanne (blaue Rechtecke).

Weitere Kursverluste sind „vorprogrammiert“

Mitte der letzten Woche scherte der Ölpreis aus diesem engen Seitwärts-Band nach unten aus. Am Donnerstag und Freitag wurde zudem der im Januar 2016 initiierte Aufwärtstrend verletzt.

Auf den 1. Blick sieht es nur nach einer wieder „heilbaren“ Trend-Verletzung aus. Doch Ihnen als geneigtem Charttechniker stellt sich die Lage ziemlich klar dar:

Wie Sie am 50-Tage-Momentum ablesen können, wurde der Aufwärtstrend im Indikator bereits in der 2. Februarwoche nach unten durchschlagen – ein klares Warnsignal.

Wie der vertikale rote Balken sichtbar macht, war zu diesem Zeitpunkt im Kursverlauf noch alles in „bester Ordnung“.

Der Absturz in den letzten Handelstagen gibt aus folgenden Gründen Anlass zur Sorge: Das Momentum fiel auf den im Juli 2016 ausgebildeten tiefsten Stand der zurückliegenden 12 Monate.

Zugleich rutschte der „Schwung“-Indikator unter die Nulllinie: Somit baut sich nun ein negatives Momentum auf!

Der im Januar 2017 gestartete Abwärtstrend im Momentum hat zudem nun eine Beschleunigung erfahren. Damit ist ein weiteres Absinken des Ölpreises quasi „vorprogrammiert“:

Auffanglinien für den Ölpreis finden sich derzeit bei rund 45 USD (gestrichelte Horizontale) sowie bei 42 USD je Barrel (untere pinkfarbene Linie).

13. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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