Ölpreis aktuell: -32% preiswerter, aber warum ist das Benzin so teuer?

Heute möchte ich ausnahmsweise einmal meinem persönlichen Ärger etwas Luft verschaffen. Doch vermutlich ärgert es Sie ganz genauso!

Ich weiß ja nicht wie es Ihnen als Autofahrer ergeht: Aber mich erinnern die aktuellen Benzinpreise an den Zapfsäulen – am Samstag habe ich 1,469 Euro für den Liter Superbenzin gezahlt – doch arg an den Sommer 2008. Damals zahlten wir kurzzeitig Literpreise von etwas mehr als 1,50 Euro, um unsere Fahrzeuge weiter fortbewegen zu dürfen. Klar: Damals befanden wir uns in einem wahren Ölpreis-Hype.

Mein Déjá-Vu-Erlebnis (Gegenwärtiges schon einmal erlebt haben) veranlasste mich aber dann doch, einmal die Ölpreise vom Sommer 2008 mit dem aktuellen Niveau zu vergleichen. Dabei habe ich Erstaunliches festgestellt:

Ölpreis: 2008 und heute

Der Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent erreichte im Juli 2008 ein Top von 145,65 USD. Da wir Europäer den Ölpreis in USD bezahlen müssen, beeinflusst das Verhältnis von Euro zu USD natürlich, zu welchem Preis wir das schwarze Gold importieren müssen.

Bei der damaligen Euro/USD-Parität von 1,5706 errechnete sich ein Ölpreis von 92,79 Euro pro Barrel (145,65 dividiert durch 1,5706).

In der nachstehenden Grafik habe ich alle 3 Parameter einmal in einem Chart für Sie zusammengefasst:

Vergleich: Entwicklung Ölpreis in USD und Euro und Währungsparität Euro/USD

Während sich der Ölpreis gegenüber dem Januar 2007 auf USD-Basis um +181% verteuert hatte, importierten wir in Europa das Öl im Sommer 2008 „nur“ +132% teurer.

Der von 1,29 auf 1,57 gestiegene Euro (also ein entsprechend schwacher US-Dollar) verhalf uns zu einem (relativ gesehen) maßgeblich preiswerteren Öl-Einkauf. Damals hatten wir Europäer unter dem massiven Ölpreis-Anstieg also etwas weniger zu leiden.

Wir tanken zu Preisen vom Sommer 2008

Stand gestern kostete das Barrel Öl der Sorte Brent 85,52 USD. Bei einer Euro/USD-Parität von 1,3484 errechnet sich mithin ein Ölpreis von 63,44 Euro. Obwohl uns Europäer das Barrel Öl heute also etwa -32% weniger kostet als zu Spitzenzeiten im Sommer 2008, zahlen wir an den Zapfsäulen zurzeit – wohlwollend gerechnet – gerade einmal 6% weniger, als damals.

Der Grund für diesen krassen Unterschied? Offen gestanden: Er erschließt sich mir nicht!

Und diese Preispolitik an unseren Tankstellen lässt sich auch nur schwerlich mit den sowieso stets höheren Spritpreisen zu großen Feiertagen und in Ferienzeiten erklären (was meiner Ansicht nach ohnehin eine krasse Benachteiligung der Familien ist, die aufgrund der Schulpflicht ihrer Kinder nur in den Hauptferienzeiten Urlaub machen können!).

Und das ärgert mich ganz einfach! So: Das musste einmal gesagt werden!

6. April 2010

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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