Ölpreis: Der aktuelle Schlüssel für die Aktienmärkte

Der Schlüssel für den weiteren Trend der Aktienmärkte liegt eindeutig beim Ölpreis.

Sobald sich der Kurs für das „schwarze Gold“ über der aktuell erreichten Marke weiter verbessern kann, werden auch die Aktienkurse weltweit „aufatmen“. Nach der in den vergangenen Wochen zu beobachtenden Stabilisierung sehen die Chancen dazu aus Sicht der Charttechnik gar nicht schlecht aus.

Ölpreis und Aktienmärkte

Ein steigender Ölpreis soll gut für die Aktienmärkte sein?

Das widerspricht auf den ersten Blick der gängigen Betrachtungsweise, dass ein steigender Ölpreis schlecht für die Konjunktur ist (was sich wiederum negativ auf die Aktienkurse auswirkt).

Grundsätzlich ist die Sichtweise schlüssig – allerdings gibt es Ausnahmesituationen, wie Sie gleich sehen werden. So funktioniert es zu „Normalzeiten“:

Profiteure eines hohen Ölpreises

Ein steigender bzw. hoher Ölpreis ist profitabel für die Erdöl-Verkäufer. Das sind in erster Linie die Öl-Förder-Konzerne. Und natürlich die Unternehmen, die Tankstellennetze unterhalten.

Auch dem Öl-Bohr- und Service-Sektor, der Gerätschaften und Dienstleistungen für die Exploration neuer und die Kapazitätserhöhung bestehender Quellen anbietet, geht es bei hohen Ölpreisen am besten.

Die Leidtragenden eines hohen Ölpreises

Bei der Öl-verarbeitenden Industrie hingegen führt ein steigender bzw. hoher Ölpreis zu erhöhten Kosten. Das Gleiche gilt für die Verbraucher von Öl und Benzin, also Autofahrer und das Transportwesen.

Bei einem fallenden bzw. niedrigen Ölpreis verkehren sich die Voraussetzungen für die genannten Parteien ins exakte Gegenteil. Zwei Punkte sind hier noch erwähnenswert:

Die Nachteile eines hohen und die Vorteile eines niedrigen Ölpreises wirken auf die Öl-verarbeitende Industrie stets mit einer zeitlichen Verzögerung. Dies hängt zusammen mit der Lagerhaltung:

Gut gefüllte Läger sind Bedingung für einen reibungslosen Arbeitsprozess. Größere Preisveränderungen beim schwarzen Gold wirken sich daher erst allmählich auf die Bilanzen aus.

Beim Konsumenten ist der Effekt höherer Ausgaben bei hohen Energiekosten ebenso schleichend, wie der Einspar-Effekt bei niedrigen Verbrauchskosten. Letztlich steht entweder weniger oder mehr Geld für zusätzlichen Konsum zur Verfügung.

Das ist die generelle Betrachtung.

In Sondersituationen boomen die Aktien trotz steigender Ölpreise

Es gibt indes Sondersituationen immer dann, wenn der Ölpreis längere Zeit sehr stark gefallen ist. Dann wirkt sich der Wiederanstieg erst stabilisierend und danach beflügelnd auf die Konjunktur und damit auf die Aktienmärkte aus.

Diesen Zusammenhang macht die folgende Grafik sichtbar:

ölpreis versus dax und nasdaq composite-29-02-2016

Ölpreis-Abstürze wirken wie ein gigantisches Konjunkturprogramm

Die grün unterlegten Phasen zeigen massive Aufwärtsbewegungen der Aktienmärkte. Ihnen ging jeweils unmittelbar ein starker Verfall des Ölpreises voraus.

Das bestätigt meine eingangs gemachte Aussage, dass die Aktienkurse in Sondersituationen von einem steigenden Ölpreis profitieren.

Diesmal war der Ölpreis-Absturz noch gravierender

Dem Chart können Sie aber noch ein anderes wichtiges Detail entnehmen: Die horizontale pinkfarbene Linie zeigt, dass die Marke von 38,00 USD in der Vergangenheit eine große Bedeutung für den Ölpreis (hier: der Sorte Brent) hatte:

Bis 2004 war dieses Kurs-Niveau der Deckel für den Ölpreis. In den Jahren danach wandelte sich diese Marke zur Endstation für Abwärtsbewegungen.

In der aktuellen Ölpreis-Baisse wurde auch dieses Niveau noch unterboten. Das führte bei den Teilnehmern am „Öl-Monopoly“ nicht nur zu Irritationen. Bei vielen Öl-Förderern wurde damit eine Schmerzgrenze überschritten.

Morgen analysiere ich für Sie die aktuelle Charttechnik beim Ölpreis. Hier gab es zuletzt einige, für die Aktienmärkte, optimistisch stimmende Entwicklungen.

1. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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