Ölpreis auf Dreijahreshoch – greift Trump jetzt durch?

Öl ist so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr – das passt Donald Trump nicht. Prompt gibt der Preis leicht nach. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Der Ölpreis hat in den vergangenen zwölf Monaten eine beachtliche Rally hingelegt. Um rund 40 Prozent legten die Preise je Barrel für die Nordsee-Sorte Brent sowie die US-Sorte WTI jeweils zu.

Vor wenigen Tagen erreichten beide den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. So kostete ein Fass der Sorte Brent rund 75 US-Dollar. Vor einem Jahr war es noch für 50 Dollar zu haben.

Der Preisanstieg hat verschiedene Gründe. Als besonders effektiv hat sich allerdings eine konzertierte Aktion der Organisation Öl exportierender Länder (Opec) sowie weiterer Staaten, darunter Russland, erwiesen, die seit Anfang 2017 ihre Förderkapazitäten nicht mehr voll ausschöpfen und auf diese Weise das Angebot künstlich verknappen.

Opec-Deal nachhaltig erfolgreich

Dass der Kompromiss überhaupt zustande kam, war seinerzeit schon mit Überraschung zur Kenntnis genommen worden, immerhin mussten sich dafür eigentlich verfeindete Staaten auf eine gemeinsame Linie verständigen. Dass der Beschluss zudem auch tatsächlich umgesetzt wurde und bereits seit mehr als einem Jahr ziemlich konsequent eingehalten wird, war die nächste Überraschung.

Mehrfach wurde die Beschlusslage seither verlängert, ein offizielles Ablaufdatum ist bislang nicht in Sicht. Die beteiligten Staaten fahren gut mit ihrer Strategie, wie der steile Preisanstieg für Rohöl verdeutlicht.

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Nun aber schaltet sich US-Präsident Donald Trump ein – standesgemäß per Twitter beschwerte sich der mächtigste Mann der Welt über das hohe Preisniveau, das gerade in den vergangenen Wochen noch einmal kräftig angezogen hatte.

Greift Trump jetzt ein?

Trump befürchtet Nachteile für US-Unternehmen, da steigende Rohstoffpreise zu höheren Produktionskosten für zahlreiche Güter führen und zudem auch die Verbraucher belasten. Er wittert erneut Einflussnahme der Opec – und dürfte damit nicht ganz falsch liegen. Immerhin hat Saudi Arabien kurz vor dem Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco ein begründetes Interesse an einem hohen Ölpreis.

Ein Preis von 80 bis 100 Dollar je Barrel sei für Saudi Arabien akzeptabel, hieß es – bis dahin ist es nicht mehr weit, wenngleich der Ölpreis nach dem Trump-Tweet kurzzeitig nachgab. Der Präsident verlautbarte, man werde die Preisentwicklung „nicht akzeptieren“, ohne dies jedoch näher zu konkretisieren.

Neben der künstlichen Verknappung durch die Opec führt jedoch auch die steigende Nachfrage durch eine gut laufende Weltkonjunktur zu einem Anstieg der Ölpreise. Anhaltende geopolitische Krisen, gerade im Nahen und Mittleren Osten, führen ebenfalls nicht unbedingt zu einer Entspannung.

Nicht wenige Beobachter halten einen Anstieg auf 100 Dollar in absehbarer Zeit für durchaus realistisch. Diesen Wert hatte der Ölpreis zuletzt 2014 überschritten, ehe ein rasanter Absturz einsetzte, der den Preis je Barrel zeitweise auf unter 30 Dollar drückte, ehe Anfang 2016 allmählich eine Gegenbewegung einsetzte.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.