Erdöl: Wie weit rutscht der Ölpreis ab?

Einige Monate lang hatte es so ausgesehen, als würde sich der Ölpreis von seinem 1,5-jährigen Absturz allmählich erholen, als sei die tiefstmögliche Schmerzgrenze erreicht und als würde sich der Preis auf mittlerem Niveau wieder konsolidieren.

Anfang des Jahres kulminierte der Preisverfall, der im Spätsommer 2014 eingesetzt und sich seither kontinuierlich fortgesetzt hatte, in einem Preis von weniger als 30 US-Dollar je Barrel, was sowohl auf die weltweit wichtigste Sorte Brent als auch auf die US-Sorte WTI zutraf.

Preiserholung im ersten Halbjahr

Unkenrufe, die einen weiteren Absturz auf 20 oder gar 10 US-Dollar vorhergesagt hatten, bestätigten sich nicht. Stattdessen ging es seit der Talsohle wieder aufwärts, spätestens ab Mitte Februar stabilisierten sich die Preise.

Anfang Juni waren dann nach monatelangem Anstieg für beide Sorten wieder mehr als 50 Dollar je Barrel fällig. Viele Ölkonzerne atmeten damals auf, denn 50 bis 60 Dollar je Barrel gelten bei vielen als Schwelle zur Profitabilität.

Doch der Erfolg war nicht von Dauer: Einige Wochen lang pendelte der Ölpreis im Bereich zwischen 45 und 50 Dollar, doch zuletzt setzte wieder eine deutliche Abwärts-Bewegung ein.

Ende Juli kosteten sowohl Brent als auch WTI nur noch rund 42 Dollar pro Fass. Damit notierten beide auf dem niedrigsten Stand seit 3 Monaten.

Preiskampf der OPEC-Staaten

Die Gründe für den Preisverfall sehen Beobachter vor allem in der anhaltend hohen Produktion und dem daraus resultierenden Überangebot am Markt.

Die Verantwortung hierfür liegt vor allem bei den Öl exportierenden Staaten, die in der Opec organisiert sind:

Insbesondere reiche Wüstenstaaten aus dem Nahen Osten, die den Wohlstand ihrer Oberschichten vor allem dem Ölgeschäft zu verdanken haben, sind an einem Fortbestand ihrer Dominanz interessiert – koste es, was es wolle.

Der Preiskampf zielt dabei in erster Linie gegen die aufstrebende Fracking-Industrie in den USA, mit deren Hilfe sich die Vereinigten Staaten unabhängiger machen wollen, etwa von Saudi Arabien.

Stark in Mitleidenschaft gezogen werden durch den Preisverfall jedoch auch Opec-Staaten wie Venezuela, deren Wirtschaft in die Knie geht und die nicht über die notwendigen Kapitalreserven verfügen, um längere Durststrecken zu überbrücken.

Belastung für Konzerne, Entlastung für Verbraucher

Besonders belastend wirkt sich der niedrige Ölpreis selbstredend auch für die international agierenden Ölkonzerne wie BP, Shell oder Exxon Mobil aus, die schwache Bilanzen einfahren und sich gezwungen sehen, Investitionen zurückzufahren.

Das verschärft wiederum die Auftragslage für andere Industriezweige. Doch es gibt auch Profiteure des niedrigen Ölpreises:

So können diverse Industrie-Sparten kostengünstiger produzieren, Fluggesellschaften fahren durch geringere Kerosin-Ausgaben höhere Gewinne ein und auch die Kaufkraft der Privatpersonen steigt durch die Ersparnis an der Zapfsäule.

8. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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