Erdöl: Faktoren für einen steigenden Ölpreis-Anstieg

Der Ölpreis hat in dieser Woche den höchsten Stand seit 2 Jahren erreicht. Doch das muss nicht von Dauer sein, was wir Ihnen hier erläutern: (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Der Ölpreis ist in den letzten Tagen in die Höhe geschossen und hat den höchsten Stand seit mehr als 2 Jahren erreicht.

Erstmals in diesem Jahr durchbrach der Preis je Barrel der Sorte Brent die 60-Dollar-Marke und erreichte Anfang der Woche gut 64 Dollar.

Die US-Sorte WTI stieg parallel auf mehr als 57 Dollar an.

Was hinter dem plötzlichen Kurs-Anstieg steckt

Hintergrund für die plötzliche Preis-Explosion waren politische Spannungen in der arabischen Region.

In Saudi-Arabien kam es am vergangenen Wochenende zu zahlreichen Festnahmen von Ministern und Mitgliedern der königlichen Familie.

Zudem ist der Ministerpräsident des Libanon überraschend zurückgetreten, was die Lage in der Region nachhaltig destabilisieren könnte.

Im Libanon ringen die Saudis und der Iran um Macht und Einfluss. Die Ereignisse gleichen einem politischen Beben.

Trendwende oder Strohfeuer?

Krisen wie diese sind immer wieder imstande den Ölpreis in die Höhe zu treiben – zumindest kurzfristig.

Die Angst vor Liefer-Engpässen dominiert dann das Geschehen an den Rohstoff-Märkten, immerhin gilt das einst als schwarzes Gold gefeierte Öl nach wie vor als wichtigster Energieträger der heutigen Zeit.

Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch der neuerliche Anstieg des Ölpreises keinesfalls von langer Dauer sein muss, sondern im Gegenteil auf tönernen Füßen steht.

Denn er basiert auf einem fragilen Gleichgewicht, das immer wieder neu ausbalanciert werden muss:

Um den Preis ein Stück weit in die Höhe zu treiben und dort zu stabilisieren, haben sich die OPEC-Staaten sowie weitere Länder, darunter Russland, vor knapp 1 Jahr zu einem Kompromiss durchgerungen, der die Fördermengen seit Jahresbeginn künstlich begrenzt.

Empfindliche Balance

Die Angebots-Verknappung führte denn auch zu einem Preis-Anstieg von vormals etwa 40 – 45 auf dann etwas über 50 Dollar je Barrel.

Doch je teurer das Öl, desto lukrativer das Fracking, das die USA vor einigen Jahren für sich entdeckt haben, um sich von Importen, v. a. aus dem arabischen Raum, unabhängiger zu machen.

Wann immer also der Ölpreis bestimmte Schwellen überschreitet, steigt auch die durch Fracking in den Vereinigten Staaten geförderte Menge und wirkt der Angebots-Verknappung entgegen.

Wie die Reise 2018 weitergehen wird, steht derzeit noch in den Sternen…

Der OPEC-Kompromiss wurde zwar im Sommer verlängert, gilt jedoch nur bis März – eine weitere Verlängerung darüber hinaus erscheint heute mehr als fraglich.

Kippt die Förderbegrenzung, würde die Welt erneut mit Öl geflutet, was einen erneuten Preisrutsch zur Folge haben dürfte.

Einziger Lichtblick: Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet im kommenden Jahr mit einer rasant steigenden Nachfrage.

Sollte sich dies bewahrheiten, könnte das zumindest den ganz tiefen Fall verhindern und den Ölpreis etwas abfedern.

Ausreißer nach oben sind hingegen fundamental betrachtet eher unwahrscheinlich – es sei denn, im Mittleren Osten tobt mal wieder eine Krise, so wie seit dem vergangenen Wochenende…

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.