Ölpreis – Bald abhängig vom Weißen Haus?

Protektionismus versus Globalisierung – was Trump umtreibt, beeinflusst auch den Ölpreis. Und die OPEC kann nur zuschauen... (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Mit dem Öl ist es so eine Sache: Wie jeder andere Rohstoff unterliegt das vermeintliche schwarze Gold den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.

Doch wie kein anderer Rohstoff ist der Ölpreis auch abhängig von politischen Entscheidungen.

OPEC-Kompromiss zeigt vielfältige Abhängigkeiten des Rohstoffs Öl

Das wird offenkundig, seit sich die OPEC-Staaten im November überraschend zu einem Kompromiss durchgerungen haben und nun – gemeinsam mit Russland und weiteren Ländern – ihre Ölproduktion reduzieren wollen.

Seit Anfang Januar haben sie mit der Umsetzung begonnen. Und tatsächlich lässt sich seither eine Preis-Konsolidierung beobachten.

Schon die Ankündigung der Einigung hatte für Aufwind gesorgt und den Ölpreis über die 50-Dollar-Marke gehievt.

Seit einigen Wochen pendelt er nun recht stabil um die 55 Dollar je Barrel. Ist die Rechnung also aufgegangen? – Nicht unbedingt.

Fracking-Industrie bestimmt Angebotslage

Denn der kurzfristige Effekt muss nicht zwangsläufig auch langfristig die Richtung vorgeben. Ganz im Gegenteil: Durch den Aufstieg der umstrittenen Fracking-Industrie in den USA hat die OPEC deutlich an Macht verloren.

Waren im Zuge des Preisverfalls zahlreiche Fracking-Firmen vom Markt verschwunden, stehen sie nun wieder in den Startlöchern – bereit, höchst flexibel auf die Preis-Entwicklung zu reagieren.

Eine Faustformel besagt, dass sich die Ölförderung via Fracking ab etwa 50 Dollar je Barrel lohnt und ab 60 Dollar richtig lukrativ wird.

Damit wird bereits die Krux des OPEC-Deals offenbar:

Gelingt es der Organisation mit einer ihr eher selten nachgesagten Disziplin, die selbstgesteckten Ziele einzuhalten und die Produktionsmenge zu drosseln, und entfalten diese Maßnahmen – wie aktuell zu beobachten – den gewünschten Effekt auf den Ölpreis, lockt das die US-Konkurrenz wieder verstärkt an den Markt.

Fördern die Fracking-Firmen, steigt das Angebot, was bei gleichbleibender Nachfrage zu wieder sinkenden Preisen führt.

Unsicherheitsfaktor Trump

Kein Wunder also, dass allmählich Stimmen laut werden, die darauf hinweisen:

Es braucht eben nicht nur eine regulierte Förderquote, sondern eine nachhaltige Preisstabilisierung kann vielmehr nur über steigende Nachfrage erfolgen.

Dazu bräuchte es einen Wirtschafts-Aufschwung, der sich bislang jedoch nicht abzeichnet. Was sich stattdessen abzeichnet, ist ein Faktor, von dem aktuell noch niemand so recht sagen kann, wohin er führen wird:

Mit Donald Trump ist vor wenigen Tagen ein Mann ins Weiße Haus eingezogen, der offensiv für Wirtschafts-Protektionismus wirbt – und damit in der Ölbranche die Alarmglocken schrillen lässt.

Immerhin gilt kaum ein Markt als so globalisiert wie die Produktion und der Handel mit dem Öl. Gut möglich also, dass sich Trumps Politik ebenfalls deutlich auf die Entwicklung des Ölpreises auswirken wird – in welcher Form auch immer.

Die OPEC jedenfalls wird sich wohl schwertun, dagegen nachhaltig etwas auszurichten.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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