Ölpreis: Schmerzhafter Absturz auf 20 USD befürchtet. Hier die Faktoren

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Die Opec-Staaten einigen sich darauf, sich nicht einigen zu können – droht nun der Zerfall des Kartells? Goldman Sachs warnt bereits vor einem Ölpreis-Crash auf bis zu 20 Dollar je Barrel. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Die Börsen sind in dieser Woche tief verunsichert, und das liegt nicht zuletzt an den deutlich fallenden Rohstoffpreisen. Kupfer, Gold, Silber – kaum ein Wert ist davor gefeit.

Bereits seit anderthalb Jahren kann man auch den Preisverfall des einstigen „schwarzen Goldes“ beobachten.

Wurde das Barrel Öl noch im Sommer 2014 für weit über 100 Dollar gehandelt, ist es seitdem dramatisch abgestürzt und hat sich in diesem Jahr weitgehend in einer Spanne zwischen 45 und 60 Dollar je Barrel bewegt.

Mehr Angebot als Nachfrage

Hintergrund der Entwicklung ist das Überangebot auf dem Weltmarkt, seit die USA mit der umstrittenen Fracking-Methode versuchen, ihren hohen Energiebedarf unabhängig – oder zumindest etwas weniger abhängig – von den Öl exportierenden Staaten im Mittleren Osten zu decken.

Doch das Kartell Öl exportierender Länder, kurz Opec, denkt gar nicht daran, seinerseits die Fördermenge zu drosseln. Stattdessen setzen Saudi-Arabien und Co. darauf, auch einen niedrigen Ölpreis eine Zeit lang gut verkraften zu können und damit die USA wieder aus dem Markt zu drängen, denn Fracking ist vergleichsweise aufwendig und kostenintensiv.

Das Ende der Opec?

Seit vergangenem Freitag hat der ohnehin niedrige Ölpreis einen weiteren Abwärtsknick verzeichnet. Die Opec-Staaten hatten sich in Wien getroffen und verkündeten als Ergebnis, dass es kein Ergebnis gebe. Man ist offenbar nicht imstande, sich zu einigen.

Stattdessen fördern alle munter weiter wie gehabt, jeder macht was er will, erste Unkenrufe prophezeien bereits das Ende der Opec, die seit mehr als 50 Jahren den Ölpreis maßgeblich steuert.

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Nun aber haben die Staaten offenbar kein Interesse mehr, zu steuern – zumindest die mächtigen unter ihnen. Während einige Schwellenländer durchaus am dauerhaft niedrigen Preis je Barrel zu knabbern haben, können sich die Scheichs in den Wüstenstaaten bequem zurücklehnen und dabei zuschauen, wie die Konkurrenz langsam aus dem Markt gedrängt wird.

Ölpreis bald bei 20 Dollar je Barrel?

Hauptsache, die eigenen Marktanteile bleiben unangetastet, so das Kalkül der Opec-Staaten. Analysten und Rohstoffexperten reagieren alarmiert. Für 2016 rechnen sie mit weiter rückläufigen Kursen, weil dann auch der Iran seine Ölproduktion wieder ausweiten will.

Durch das Atomabkommen mit dem Westen werden Sanktionen aufgehoben, der Iran kann dann wieder mehr fördern, das Angebot steigt, die Preise sinken weiter – und all das bei ohnehin schon relativ schwacher Nachfrage.

Erste Prognosen halten einen Absturz des Ölpreises auf ein Niveau von 20 Dollar für realistisch, so jedenfalls steht es in einer aktuellen Studie von Goldman Sachs.

Wer als Anleger auf Rohstoffe setzt, sollte also zumindest kurzfristig nicht unbedingt mit steigenden Kursen rechnen. Erfreulich ist die aktuelle Entwicklung höchstens für die Verbraucher:

Das Benzin ist an den Zapfsäulen derzeit wieder äußerst günstig zu haben, und das ist in der teuren Vorweihnachtszeit zumindest für Autofahrer nicht die schlechteste Nachricht.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.