Ölpreis: Brenzlige Lage im Nahen Osten

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Der fragile Frieden in der Golfregion erlebt eine neue Zerreißprobe nach dem Angriff auf Saudi Arabien – so reagiert der Ölpreis. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Ölpreisschock zum Wochenauftakt: Am Montag schoss der Ölpreis rasant in die Höhe, so deutlich wie schon seit Jahren nicht mehr. Nachdem am Wochenende ein Drohnenangriff auf die größte Raffinerie in Saudi Arabien für immense Zerstörungen sorgte, zeigten sich die Märkte nervös.

Allerdings nur kurzfristig – denn schon innerhalb weniger Stunden pendelte sich das Preisniveau wieder einigermaßen ein, sodass die Schwankung unterm Strich nun nicht dramatischer ausfällt als üblich. Tatsächlich ist Öl sogar nach wie vor deutlich günstiger als noch vor einem Jahr, der Preis je Barrel der Sorte Brent liegt mehr als 15 Prozent niedriger als im vergangenen Herbst.

Also alles halb so wild? Das kommt ganz darauf an, wie sich die Lage weiterentwickelt.

Die weitere Entwicklung ist entscheidend

Fakt ist, durch den Angriff fallen kurz- bis mittelfristig etwa 5 Prozent der globalen Ölförderung aus. Dennoch bedeutet dies keinen automatischen Preisanstieg, denn zum einen sind die Reserven gut gefüllt, sodass eine kurzfristige Überbrückung für die Abnehmerstaaten kein Problem darstellt, und zum anderen gibt es Länder wie Russland, die ihre Förderkapazitäten zurzeit nicht  voll ausschöpfen und bei Bedarf hochfahren können.

Am generellen Überangebot, das den weltweiten Ölmarkt seit einigen Jahren flutet – spätestens seit die Frackingindustrie in den USA massiv ausgeweitet wurde –, ändert der Anschlag in Saudi Arabien erst einmal nichts. Bleibt es also bei einem einmaligen Ereignis, dürften die Folgen für Importeure und Verbraucher verschmerzbar bleiben.

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Anders sieht es allerdings aus, sollte die Lage in der Golfregion sich weiter zuspitzen und eskalieren. Seit Jahren liefern sich Saudi Arabien und der Iran Stellvertreterkriege. Sollte es zum direkten Militärkonflikt zwischen beiden Staaten kommen, dürfte das Pulverfass im Nahen und Mittleren Osten sprichwörtlich explodieren – und der Ölpreis dann wohl auch spürbarer und nachhaltiger in die Höhe schießen.

Hat Trump es in der Hand?

Bislang gibt es keinen gesicherten Beweis dafür, dass der Angriff durch den Iran gesteuert wurde. Politikexperten halten es zudem für eher unwahrscheinlich weil taktisch unklug, dass tatsächlich die Regierung in Teheran selbst hauptsächlicher Drahtzieher ist.

Die Einzelperson, die nun den größten Einfluss auf Krieg oder Frieden in der Region hat, sitzt tausende Kilometer entfernt im Weißen Haus. Sollte sich Donald  Trump dazu hinreißen lassen, die Lage via Twitter eskalieren zu lassen, stünde ein Krieg womöglich kurz bevor.

In Trumps Interesse liegt das allerdings nicht: Gut ein Jahr vor den US-Präsidentschaftswahlen, bei denen er erneut zu kandidieren gedenkt, kann er keinen Krieg gebrauchen, der für die Vereinigten Staaten wohl nicht nur wirtschaftliche Folgen hätte. Bei seinen Anhängern konnte Trump nicht zuletzt dadurch punkten, dass er Soldaten aus der Region abgezogen und nach Hause geholt hat. Die Nation ist kriegsmüde, das weiß auch Trump, dem die eigene Wiederwahl im Zweifelsfall wichtiger ist als Krieg oder Frieden im Nahen Osten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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