Ölpreis: Das sieht erstaunlich gut aus

Seit Mai ging es beim Ölpreis tendenziell bergab. Das dürfte sich nun wieder ändern! (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Am Freitag vergangener Woche traf sich die Organisation Erdöl exportierender Länder, fast schon besser bekannt unter dem Kürzel OPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries).

Das Treffen brachte eine Entscheidung der Mitglieder, die den Ölpreis eigentlich hätte unter Druck setzen sollen: Die Förderung des „schwarzen Goldes“ soll nämlich um 600.000 Barrel pro Tag erhöht werden.

Die englische Bezeichnung Barrel steht für „Fass“ – die von den Ölproduzenten genutzte Abfüllmethode. Ein Fass wiederum beinhaltet 159 Liter.

Ich möchte mit Ihnen heute einmal schauen, wie sich – mit einigen Tagen zeitlichem Abstand – die OPEC-Entscheidung ausgewirkt hat und wie es nunmehr um die weiteren Perspektiven bestellt ist.

Die Aussicht auf eine Erhöhung des Öl-Angebotes sollte den Preis eigentlich tendenziell eher unter Druck setzen sollen. Doch das war lediglich am Montag der Fall.

Am Dienstag und auch gestern kletterte der Preis des flüssigen Rohstoffs. Und die dabei entstandene Entwicklung ist durchaus erstaunlich.

Verschaffen Sie sich zunächst einmal einen Überblick

Wenn Sie einen Markt noch nicht so gut kennen, dann können Sie für einen großen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern sorgen, indem Sie sich zunächst einmal einen Überblick aus der „Vogelperspektive“ verschaffen. Der Grund:

Auf diese Weise werden die langfristigen Trends eines Marktes offensichtlich. Und die Kenntnis darum wird Ihnen – wie Sie gleich sehen werden – wertvolle Hilfe bei Ihrer Investment-Entscheidung leisten.

Am besten schauen Sie dazu auf einen längst-möglichen Zeitraum der Kurshistorie. Die in meinen Augen beste Übersicht bietet Ihnen dabei ein Monats-Chart: Darin stellt ein Balken die Kursentwicklung eines Monats dar.

Ich schaue bei einer Analyse des Ölpreises bevorzugt auf den Brent Crude Oil Future in USD:

Ölpreis: 3 wichtige Erkenntnisse aus dem Langfrist-Chart!

3 wichtige Erkenntnisse aus dem Langfrist-Chart

Die erste, für manchen Anleger möglicherweise erstaunliche Erkenntnis lautet: Der Ölpreis bewegt sich seit dem im Juli 2008 erreichten Allzeithoch in einem langfristigen Abwärtstrend (rote Linien)!

Den zweiten Schluss, den Sie aus der Analyse des Monats-Charts ziehen können: Seit dem Zwischentief im Januar 2016 (blauer Kreis) befindet sich das schwarze Gold in einem – sogar recht steilen – Aufwärtstrend.

3. Erkenntnis: Das wahrscheinliche Aufwärtspotenzial dieser Bewegung reicht bis zur Obergrenze des eingezeichneten Trend-Kanals: Das dürfte, je nach Zeitfenster, zwischen 90,00 und 95,00 USD liegen.

Ölpreis-Entwicklung bekommt neue PerspektiveMit der neuerlichen Kürzung von Fördermengen wird eine charttechnische Neueinschätzung des Ölpreises notwendig. › mehr lesen

Wie Ihnen der Schwung-Indikator helfen kann

Mit diesem Vorwissen schauen wir nun einmal gemeinsam auf die nachfolgende Grafik, die einen Zeitraum von etwa 2 ½ Jahren abdeckt:

Ölpreis generiert soeben ein neues Kaufsignal

Hier sehen Sie nun die Aufwärtsbewegung seit Januar 2016 aus dem Monats-Chart. Die gestrichelte grüne Linie zeigt, dass sich der Aufwärtstrend des Ölpreises seit Juni 2017 noch einmal beschleunigt hat.

Im unteren Chartteil habe ich für Sie einmal das 50-Tage-Momentum abgebildet: Dieser Indikator zeigt Ihnen, wie es um den Schwung und die Dynamik einer Marktbewegung bestellt ist.

Werte über der Nulllinie verkörpern logischerweise ein positives Momentum. Klettert der Indikator, gewinnt die Kursbewegung an Schwung. Wichtig ist dabei:

Wenn sich das Momentum beispielsweise im positiven Bereich nur seitwärts bewegt, bedeutet das nichtsdestotrotz, dass der betrachtete Markt weiter klettern kann – die Schwungkraft bleibt dann halt unverändert.

Und was tut sich nun aktuell?

Im Chart sehen Sie, dass der Ölpreis soeben die eingangs angesprochene Entwicklung genommen hat: Er ist aus dem Ende Mai begonnenen mittelfristigen Abwärtstrend nach oben ausgebrochen (blauer Kreis).

Wenn Sie nun noch einmal auf das Momentum schauen, dann sehen Sie, dass der Indikator seinerseits unmittelbar vor einem Bruch seines Abwärtstrends steht (gelber Kreis).

Fazit

Der Langfrist-Chart hat Ihnen deutlich gemacht:

Der Ölpreis befindet sich seit Januar 2016 in einem Aufwärtstrend, der seinerseits ein Gewinnpotenzial bis zu Kursen zwischen 90,00 und 95,00 USD bietet. Letzteres ergibt sich aus der Obergrenze des seit Mitte 2008 bestehenden langfristigen Abwärtstrend-Kanals.

Der mittelfristige Chart macht sichtbar:

Aktuell befindet sich der Ölpreis in einer Beschleunigungs-Phase, gemessen an dem seit 2016 bestehenden Aufwärtstrend. Soeben hat das schwarze Gold mit dem Bruch des seit Mai existierenden Abwärtstrends ein Kaufsignal generiert.

Wenn dieses nun noch durch das 50-Tage-Momentum bestätigt wird, dann dürfte der Ölpreis in den kommenden Tagen und Wochen weiter aufwärts tendieren.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.