Ölpreis die nächsten 10 Jahre unter 100 Dollar?

Der Crash beim Ölpreis hat die Märkte kalt erwischt. Jahrelang kannte der Ölpreis nur eine Richtung: nach oben. Doch dass es auch andersherum geht, haben die vergangenen zwölf Monate gezeigt.

Im Juni 2014 lag der Preis für ein Barrel der Sorte Brent noch bei über 110 Dollar. Was dann folgte, war ein beispielloser Absturz. Über Monate hinweg ging es konstant abwärts, erst langsam und stetig, schließlich immer schneller.

Im Januar 2015 war dann der Tiefpunkt erreicht: Der Preis rutschte unter die Marke von 50 Dollar je Barrel, ehe nach knapp einem Monat die Gegenbewegung einsetzte.

Seither bewegt sich der Ölpreis zwischen rund 55 und knapp 70 Dollar je Barrel – und das könnte auch langfristig so bleiben.

Opec: Ölpreis bis 2025 unter 100 Dollar?

Eine aktuelle Studie der Organisation der ölexportierenden Staaten (Opec) hat verschiedene Szenarien durchgespielt – und rechnet bis 2025 mit einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar.

In der optimistischsten Rechnung geht die Organisation von einem Preis je Barrel von gerade einmal 78 Dollar aus. Allerdings hält die Opec auch einen Preis von dauerhaft rund 40 Dollar für realistisch.

Sie selbst ist dabei nicht ganz machtlos. Hat der Ölpreis früher Kapriolen geschlagen, haben die ölexportierenden Staaten ihre Fördermengen gedrosselt. Das künstlich verknappte Angebot sorgte dann wiederum für steigende Preise.

Zur Überraschung vieler Beobachter hat sich die Opec im vergangenen Jahr allerdings gegen eine solche Maßnahme entschieden – wohl nicht zuletzt, um die neue US-Konkurrenz zu verdrängen.

Fracking verdrängen – um jeden Preis?

In den USA hat seit einiger Zeit das Fracking als Fördermethode Hochkonjunktur. In Europa umstritten, werden in den Vereinigten Staaten auf diese Weise inzwischen Unmengen an Öl gefördert, die den Heimatmarkt recht gut versorgen, sodass die Nachfrage und in der Folge auch der Ölpreis sinkt.

Nun ist das Fracking aber mit recht hohen Kosten verbunden. Viele Förderfirmen geraten daher angesichts des Preisverfalls in dramatische Schieflage, erste Unternehmen gerieten bereits in Existenznöte – aus Sicht mancher Opec-Staaten ein durchaus nicht unerwünschter Effekt.

Immerhin basieren in vielen Fällen ganze Staatshaushalte auf dem florierenden Geschäft mit dem schwarzen Gold. Doch auch einige Opec-Staaten stoßen an ihre Grenzen, sollte der Preisrutsch kein kurzfristiges Phänomen bleiben, sondern dauerhafte Ölpreise auf niedrigem Niveau etablieren.

Womöglich soll daher nun ein Quotensystem für die Opec-Mitgliedstaaten wieder eingeführt werden, das 2011 abgeschafft worden war.

Konjunkturprogramm für die Industrie

Für Unternehmen und Branchen außerhalb der Ölindustrie barg der Preisverfall der vergangenen Monate allerdings durchaus auch positive Effekte: In vielen Fällen wirkte er wie ein unverhofftes Konjunkturprogramm, immerhin sanken dadurch gerade in der Industrie die Transport- und Produktionskosten.

Auf Dauer aber warnen Experten vor schwerwiegenden Folgen, sollte sich der Ölpreis weiterhin auf so niedrigem Niveau bewegen.

15. Mai 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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