Ölpreis: Die neue Marktmacht der USA

Die Opec ist nicht mehr die alleinige Macht am Ölmarkt, stattdessen spielen die USA eine immer wichtigere Rolle. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Die Rally, die der Ölpreis in den vergangenen Monaten hingelegt hat, hat im Februar einen empfindlichen Dämpfer erfahren.

Seit Ende Juni hatte sich der Ölpreis sowohl für die Nordseesorte Brent als auch für die US-Sorte WTI kontinuierlich aufwärts entwickelt und war von knapp 45 Dollar im Juni auf gut 70 Dollar Ende Januar geklettert. Damit hatte der Ölpreis den höchsten Stand seit drei Jahren erklommen.

Im Februar aber ging es nun abwärts, am Freitag notierte Brent nur noch bei knapp 65 Dollar, WTI bei etwas mehr als 60 Dollar. Beobachter sind sich einig, dass die Ursachen für den jüngsten Rückgang vor allem in den USA zu suchen sind.

USA bald größter Ölproduzent der Welt

Dort legte die Fördermenge und Ölproduktion zuletzt zu, parallel stiegen die Lagerbestände sowohl hinsichtlich des Rohöls als auch mit Blick auf Benzin stärker an als zunächst erwartet. Durch den Boom der Frackingindustrie schwingen sich die Vereinigten Staaten allmählich zum größten Ölproduzenten der Welt auf und dürften Schätzungen zufolge spätestens im kommenden Jahr Russland an der Spitze ablösen.

Zugleich hält sich die Organisation Öl exportierender Staaten (Opec) penibel an ihre selbst auferlegten Kürzungsvorgaben und fördert deutlich weniger Rohöl als noch vor anderthalb Jahren. Mehrfach wurde der Beschluss, dessen bloßes Zustandekommen etliche Beobachter überrascht hatte, bereits verlängert, um über eine Angebotsbegrenzung den Preis zu stabilisieren.

Dies ist zum Teil auch gelungen: Im vergangenen Jahr bewegte sich der Ölpreis im Schnitt auf höherem Niveau als zuvor, die Tendenz war insgesamt wieder eher steigend als fallend und die Volatilität ging zurück.

Neue Weltordnung am Ölmarkt

Zugleich muss die Welt jedoch neue Realitäten als gegeben anerkennen: Die Opec ist nicht mehr der alleinige Player, der über den Ölpreis nach eigenem Gusto weitgehend frei bestimmen kann. Stattdessen steht die Organisation nun im Wettbewerb mit den USA, während sich Russland als Nicht-Opec-Staat dem Kompromiss der Organisation zur Drosselung der Ölfördermengen angeschlossen hat.

Durch diese neue Gemengelage sind die Karten neu gemischt, jahrzehntealte Mechanismen greifen nicht mehr. Die Welt befindet sich – auch auf dieser Ebene – in einer Phase des Umbruchs.

Die USA haben die Lücke, die die Förderbegrenzung der Opec hinterlassen hat, teilweise geschlossen und bilden somit ein Gegengewicht auf der Angebotsseite. Da Beobachter davon ausgehen, dass die Nachfrageseite in den kommenden Jahren weiter anziehen wird – gerade durch die gute Konjunktur und den wachsenden Bedarf der Schwellenländer – ist jedoch mittelfristig eher mit einem weiteren Anstieg des Ölpreises zu rechnen. Die Zeiten in denen das Barrel für unter 30 Dollar gehandelt wurde, wie Anfang 2016 geschehen, dürften bis auf weiteres der Vergangenheit angehören.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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