Ölpreis: Drohen schon bald heftige Turbulenzen?

Der Ölpreis ist Anfang des Monats in die Höhe geschossen – doch schon bald könnte es wieder abwärts gehen, warnen Experten. Hier mehr dazu: (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Schock an der Zapfsäule – der Ölpreis hat in diesem Monat den höchsten Stand seit Sommer 2015 erreicht und auch den Spritpreis gewaltig in die Höhe getrieben.

Hintergrund des Preis-Anstiegs auf mehr als 60 Dollar je Barrel der Nordsee-Sorte Brent sind die politischen Unruhen in der Golfregion.

Insbesondere geht es dabei um die durch den saudischen Kronprinzen initiierte Verhaftungs-Welle in Saudi Arabien.

Durch den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten verschärft sich zudem der Konflikt zwischen Saudi Arabien und dem Iran.

Eine Eskalation der Lage dürfte den Ölpreis zusätzlich in die Höhe schießen lassen. Wie sich die Situation entwickelt, lässt sich derzeit nicht vorhersehen.

Was macht die OPEC?

Weitere Faktoren, die einen Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Monaten begünstigt haben, waren die starke Entwicklung der Weltwirtschaft, welche die Nachfrage angekurbelt hat sowie die Verlängerung des OPEC-Kompromisses bis März 2018.

Mit dem Beschluss verpflichten sich die beteiligten Länder – neben den OPEC-Staaten auch Russland und einige weitere Öl-Exporteure – die eigenen Fördermengen pro Tag zu begrenzen.

Auf diese Weise soll das Angebot künstlich verknappt und zumindest stabilisierend auf den Ölpreis eingewirkt werden.

Zu diesem Schritt hatten sich die Staaten vor 1 Jahr überraschend durchgerungen, nachdem der Ölpreis 2 Jahre lang ins Bodenlose gestürzt war und zeitweise unter 30 Dollar je Barrel notierte.

Ende November kommt die OPEC das nächste Mal turnusmäßig zusammen. Es wird erwartet, dass sie sich dann erneut zu dem Deal äußert.

Ölpreis: Für die Scheichs läuft alles nach PlanDie Einigung der OPEC auf eine Begrenzung der Fördermengen dient v. a. Saudi-Arabien. › mehr lesen

Platzt der Deal?

Eine weitere Verlängerung gilt an den Märkten als relativ ausgemachte Sache und ist bereits eingepreist, sodass es in diesem Fall zu Gewinn-Mitnahmen kommen könnte.

Dieser Effekt war bereits bei der 1. Verlängerung im Frühsommer zu beobachten.

Sollte sich die politische Lage jedoch derart verschärfen, dass Saudi Arabien und der Iran sich nicht mehr imstande sehen den OPEC Kompromiss weiterhin zu tragen, könnte das dramatische Auswirkungen haben.

Experten warnen zudem, dass zahlreiche Spekulanten zurzeit auf steigende Ölpreise setzen und die Rally somit künstlich befeuern.

Die Folge: Das Korrektur-Potenzial nach dem Termin-Verfall ist beträchtlich.

Der Ölpreis könnte also schon bald wieder deutlich abstürzen – oder eben auch weiter anziehen, sollte die Situation am Golf eskalieren.

Ölpreis-Rally auf tönernen Füßen

Die Lage ist unübersichtlich, verlässliche Prognosen lassen sich derzeit kaum treffen.

Fest steht nur: Der jüngste Ausbruch nach oben steht auf tönernen Füßen und könnte ebenso schnell wieder vorbei sein, wie er angefangen hat.

Schwierig sind Vorhersagen zum Ölpreis in den vergangenen Jahren auch dadurch geworden, dass die OPEC nicht mehr allein dominierender Player am Markt ist und die Preise diktieren kann:

Seit die Fracking-Industrie in den USA auf dem Vormarsch ist, muss die Balance am Markt immer wieder neu austariert werden.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.