Ölpreis: Eine aktuelle Bestandsaufnahme

Der Ölpreis geriet zuletzt mächtig unter Druck. Wie geht es jetzt weiter beim „schwarzen Gold“? – Börsen-Experte Andreas Sommer hat die Antwort: (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Ende Mai einigten sich die Mitglieder der OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) darauf, die im Dezember 2016 beschlossene Drosselung der Förderquoten bis zum März 2018 fortzuführen.

Die Beteiligten erhofften sich durch diese Maßnahme eine Stabilisierung des Ölpreises. Das hat so indes nicht funktioniert.

Abwärts-Szenario erfüllt, aber …

Bekanntlich hatte ich schon in einem Chartanalyse-Trends-Beitrag vom 3. April eine länger anhaltende Abwärts-Bewegung für den Ölpreis „diagnostiziert“.

Hier noch einmal mein Fazit, seinerzeit gegeben bei einem Preis für den Brent Crude Oil-Future von etwas über 53,00 USD je Barrel (= Fass = 158 l):

„Wohin die Reise gehen kann, können Sie auch dem Chart entnehmen. Die Niveaus um 45,50 USD sowie 42,00 USD je Barrel bieten eine solide Unterstützung an.

Somit erhalten Sie auf dem aktuellen Niveau eine Short-Chance von 8,00 bis 11,50 USD oder ein Gewinn-Potenzial von +15,1% bis +21,7%.“

Wohlan, schauen wir doch gleich einmal, wie sich die Dinge für das „schwarze Gold“ seither entwickelt haben:

brent crude oil-future_22-06-2017

Brent Crude Oil-Future: Es „riecht“ nach einer technischen Gegenbewegung.

Wie Sie im Chart sehen, hat der Brent Crude Oil-Future gestern mit einem Tages-Tief von 44,35 USD das zitierte 1. Kursziel von 45,50 USD noch deutlich unterboten (blauer Pfeil).

Nun könnte ich mir selbst auf die Schulter klopfen – allerdings war das so einfach nicht:

Eine wichtige Phase im Verlauf der vergangenen Wochen habe ich Ihnen mit dem gelben Kreis im unteren Chart-Teil (50-Tage-Momentum) markiert.

Hier gab es nämlich Anlass für Irritationen.

Das Trend-Gesetz

Als Charttechniker kennen Sie natürlich das eherne Trend-Gesetz:

Ein Aufwärtstrend wird durch immer höhere Hochs und ein Abwärtstrend durch immer tiefere Tiefs bestätigt.

Der durch die schwarze Trend-Linie verkörperte Abwärtstrend war bis zu diesem Zeitpunkt Mitte Mai gültig.

Der gelb markierte Trend-Bruch war also als Kaufsignal zu interpretieren, wie im Chart zu sehen – zumindest vorübergehend.

Denn schon am 22. Mai bildete das 50-Tage-Momentum ein Zwischenhoch aus und fiel anschließend wieder zurück.

Am 15. Juni wurde dann sogar ein tieferes Tief ausgebildet, womit der ursprüngliche Abwärtstrend neu justiert werden musste (was ich mit der durchgezogenen roten Linie gemacht habe).

Fazit

Summa summarum wurde zwar das von mir Anfang April vorgestellte Abwärts-Szenario mit dem Mindest-Kursziel 45,50 USD erfüllt.

Allerdings wurde dieses durch den Aufwärtstrend-Bruch Mitte Mai zwischenzeitlich außer Kraft gesetzt – auch wenn sich dieses „Kaufsignal“ inzwischen als „Bullenfalle“ entpuppt hat.

Der Ausverkauf gestern (blauer Pfeil) ähnelt übrigens der Entstehung des Zwischentiefs von Anfang Mai:

Nach einem kräftigen Tagesverlust konnten die Bären das erreichte Niveau nicht verteidigen.

Die Bullen hingegen hievten den Ölpreis vom Tagestief bei 44,35 USD je Barrel wieder auf 46,02 USD.

Diese Entwicklung spricht dafür, dass es – wie schon Anfang Mai – nun erst einmal wieder zu einer kräftigen Gegenbewegung kommt.

Um allerdings den bestehenden Abwärtstrend zu überwinden, wären schon Notierungen des Brent Crude Oil-Futures von mehr als 53,00 USD notwendig.

Doch dazu müssten die Öl-Förderquoten wohl eher nochmals gedrosselt werden …

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.