Ölpreis: Erste Charttechnik-Argumente für eine Bodenbildung

Seit dem Sommer 2014 hat sich der Kurs für die aus den USA stammende Ölsorte WTI (West Texas Intermediate) mehr als halbiert (in der Spitze -56,4%). Interessant dabei ist:

Bis Anfang Dezember fand der Ölpreis in den Börsenmedien eher sporadisch statt. Erst seit das Tief vom 1. Dezember 2014 bei rund 64 USD für die Ölsorte WTI unterschritten wurde und der Kurs für das schwarze Gold wie ein Stein weiter fiel (gestern auf bis zu 46,83 USD für das Barrel), gehört der Ölpreis zum Repertoire der börsentäglichen „Kursveränderungsbegründungen“.

Gestern meldete sich Lloyd Blankfein zum Thema – Sie erinnern sich sicher: Das ist der Chef von Goldman Sachs, der vor einigen Jahren in einer Anhörung zur Finanzkrise verlauten ließ, er würde mit seiner Investmentbank das „Werk Gottes verrichten“.

Ölpreis: Die Bodenbildung scheint nahe

Laut Blankfeins Statement zeige der Ölpreisabsturz nicht mehr allein ein Überangebot, sondern könnte bereits deflationären Druck signalisieren. Ich will hier seine Aussage gar nicht diskutieren, mir ist ein anderer Aspekt wichtiger. Wie Sie sehen: Man redet über den Ölpreis – und das ist gut so. Denn:

Ich werte die zunehmende Präsenz in den (Börsen-)Medien als ein erstes Signal dafür, dass der Ölpreis bald einen Boden finden könnte. Wenn die Nachricht über einen abgestürzten Markt „jedes Kind“ erreicht hat, dann ist das Ende der Abwärtsbewegung regelmäßig in Sichtweite.

Derzeit tun die Medien alles, um diesen Punkt zu erreichen.

Handfeste Charttechnik-Argumente

Für eine Bodenbildung beim Ölpreis gibt es sogar handfeste Argumente aus der Charttechnik, wie Sie im nachfolgenden Chart sehen können:

ölpreis light sweet crude oil wti in usd pro barrel-08-01-2015

Ölpreis (Sorte WTI): Signale für eine Bodenbildung mehren sich

Die vertikalen grauen Balken zeigen nämlich eine Divergenz, also eine Abweichung. Während der Ölpreis beim rechten grauen Balken deutlich niedriger notiert, liegt der RSI-Wert höher als noch beim ersten Tief. Das können Sie anhand der blauen Linie gut ablesen.

Im November 2013 / Januar 2014 gab es schon einmal eine ähnliche Divergenz (grüne Balken). Anschließend erholte sich der Ölpreis von 91,24 USD auf über 105,00 USD.

Ein weiterer Punkt: Seit dem Sommer 2014 haben sich quasi 3 Abwärtstrend-Kanäle ausgebildet, die jeweils steiler abwärts tendieren. Aus den ersten beiden ist der Ölpreis bereits herausgefallen – das „schreit“ regelrecht nach einer Gegenbewegung.

Letzter Punkt ist die von mir eingezeichnete Abwärtstrend-Linie im RSI-Chart. Sie sehen, es fehlt nicht mehr viel, um diese Trend-Linie nach oben zu durchbrechen.

Noch ist das alles im Konjunktiv zu sehen und zu werten. Aber die Zeichen für eine Bodenbildung verdichten sich allmählich.

Deckelungs-Faktor Fracking

Allerdings sollten Sie Ihre Erwartungen bezüglich des Erholungspotenzials keinesfalls an den Bestmarken des vergangenen Jahres (über 107 USD) ausrichten: Experten nennen ein Ölpreis-Niveau von 70 bis 75 USD als den Bereich, ab dem sich das „Fracking“ lohnt.

Beim Fracking wird zur Erdöl- und Erdgasförderung eine mit chemischen Zusätzen versehene Flüssigkeit unter hohem Druck in das Erdreich gepresst. Auf diese Weise gelangt man auch an sonst schwer oder gar nicht erreichbare Vorkommen. Da die Folgen für die Umwelt schwer abzuschätzen sind, ist Fracking in Deutschland verboten.

Das in den letzten Jahre stark zugenommene Fracking in den USA hat indes spürbar zum Ölpreisabsturz beigetragen. Daher erwarte ich nach einem Wiederanstieg eine „Deckelung“ des Ölpreises bei etwa 80 USD pro Barrel.

26. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt