Ölpreis eskaliert: Plus 43 Prozent in drei Tagen!

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Verrückte Welt beim Öl. Letzte Woche wurde es noch verschenkt, heute steigen die Kurse schon wieder um fast 10 Prozent. Bis wohin geht die Kursexplosion? (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Trump hat wieder einmal gezaubert. Ein Tweet von ihm zum Thema Ölkrise und schon explodieren die Kurse! Dabei sei es anderen Quellen zufolge gar nicht sicher, ob der Inhalt seiner Nachricht wirklich stimmt.

Der US-Präsident hatte über Twitter veröffentlicht, dass er zwischen Saudi Arabien und Russland vermittelt hätte. Demnach würden die Ölförderungen um 10 Millionen Barrel reduziert.

Der Markt scheint die Geschichte zu glauben. Das wurde für viele wohl auch dringend Zeit, denn die Kurse kennen kein Halten mehr. Für die Weltwirtschaft wäre das auch ein positives Zeichen. Höhere Ölpreise bedeuten in der Regel auch mehr Verbrauch an, also Wachstum. Wenn die Preise jetzt allerdings nur steigen, weil Trump eine Reduktion von 10 Millionen Barrel angekündigt hat, bringt das der Wirtschaft herzlich wenig. Dann wird hier nur das Spiel der Verknappung gespielt.

Und ob es tatsächlich gespielt, ist auch noch die Frage. Die Futures auf Öl liegen immerhin jetzt fast in dem Bereich, wo wir uns aktuell bewegen. WTI notiert aktuell bei etwa 26,66 US-Dollar. Minimal mehr wird für den Mai-Kontrakt verlangt. Die Futures für den Juni liegen bei 29,80 US-Dollar, der Juli bei 31,35 US-Dollar und der August bei 32,20 US-Dollar.

Die Tendenz ist also klar steigend, aber nicht mehr mit besonders großen Unterschieden zum aktuellen Preis. Ein wenig Luft nach oben ist offenbar noch, aber wir werden kaum Ende April wieder bei 60 US-Dollar stehen. Außer der Markt spinnt total und rennt weiter so nach oben.

WTI Chartanalyse April 2020

Hier sehen Sie den Tageschart von WTI. Im Februar lagen wir noch über 50 US-Dollar. Kurze Zeit später schon unter 20 US-Dollar – wenn auch nur kurz. In den letzten Stunden gab es einen unglaublichen Boom: Plus 42 Prozent legte WTI hin innerhalb von drei Tagen.

Bei etwa 29,80 US-Dollar – also dort, wo gerade der Juni-Kontrakt liegt – verläuft das 62er Retracement vom letzten Hoch. Die fehlenden 2 US-Dollar kann WTI wohl auch noch schaffen. Vielleicht gibt es danach eine technische Reaktion.

Solange aber der Tweet von Trump als Wahrheit gilt, können die Kurse natürlich weiter anziehen. Sollte sich allerdings irgendwann Putin zu Wort melden und Trump in den Rücken fallen, kann es ganz schnell wieder nach unten gehen. Russland kann das Spiel mit den niedrigen Preisen länger überleben als Saudi Arabien. Dort gibt es quasi außer Öl keine Einnahmequelle und das Volk muss mit Geld versorgt werden. In Russland sieht das logischerweise etwas anders aus.

WTI Rohöl – hier werden Fässer verschenkt!

Niedrige Preise und trotzdem keine Abnehmer? Das führt zu einem Problem. Was machen Sie, wenn Ihre Lager voll sind und Sie Ihr Öl vom Hof kriegen müssen? Sie verschenken es! Kein Witz! So geschehen in Wyoming. Die unteren Zahlen stammen vom 30. April. Das sind die Preise pro Fass.

Jetzt werden Sie vielleicht fragen, warum der eine Kurs sogar negativ ist! Genau das zeigt die verrückte Situation! Hier wurde sogar Geld gezahlt, damit die Fässer mitgenommen wurden. Sie kaufen ein Fass Öl und bekommen dafür noch 47 Cent dazu! Verkehrte Welt, aber was wollen Sie machen, wenn noch weiterproduziert wird und die Nachfrage ausbleibt? Dann gibt es Öl einfach kurz geschenkt oder sogar noch Geld obendrauf.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.