Ölpreis: Hier lohnt sich ein genauerer Blick

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Nicht laut ist gut, sondern leise: Schauen Sie auf die Märkte, die gerade NICHT im Fokus der Börsenmedien stehen. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Um den Ölpreis ist es in den zurückliegenden Wochen ruhig geworden.

Wenn einem Markt in den Börsenmedien wenig Beachtung geschenkt wird, kann das für Sie eine durchaus günstige Gelegenheit eröffnen. Denn seien wir mal ehrlich:

Wird über einen Markt berichtet, dann hat sich darin fast immer gerade etwas Nennenswertes ereignet. Doch um daraus mit einem Investment einen Profit zu schlagen, dafür ist es meist schon zu spät.

Und Überraschung, Überraschung: Im Ölpreis tut sich gerade tatsächlich etwas hoch Interessantes.

Schauen wir es uns das einmal genauer an.

Die Saudis haben es derzeit nicht leicht

Der Ölpreis macht den Erdöl exportierenden Ländern – zusammengefasst auch unter der Bezeichnung OPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries) – seit 11 Monaten mächtig zu schaffen:

In jenem Monat markierte das schwarze Gold mit 86,74 USD je Barrel (= Fass = 159 Liter) ein 3-Jahreshoch. Am 2. Weihnachtstag desselben Jahres fand sich die Notierung bei 49,93 USD wieder – der seitherige Tiefpunkt.

Die Saudis und ihre Erdöl fördernden Kollegen mussten mithin in kürzester Zeit Mindereinnahmen von rund -42% verdauen.

In den ersten 4 Monaten des laufenden Jahres erholte sich der Ölpreis zwar bis auf 75,60 USD je Barrel. Doch im Anschluss geriet der Kurs erneut mächtig ins Rutschen:

Am 7. August wurde mit 55,88 USD ein erneuter Tiefpunkt erreicht: Immerhin gingen diesmal „nur“ -26% an Wert verloren.

Die charttechnische Besonderheit beim Ölpreis

Schauen wir uns das einmal auf dem nachfolgenden Tages-Chart an:

Ölpreis: Gleich 2 Kaufsignale!

Auf die Besonderheit dieser Grafik hatte ich bereits in meiner letzten Analyse vom 8. August 2019 aufmerksam gemacht:

„Seit dem Bruch des Aufwärtstrends aus 2016 im Oktober des vergangenen Jahres nahm der Ölpreis eine charttechnisch ungewöhnliche Entwicklung: Es wurden nämlich keine – sonst üblichen – horizontal verlaufenden Widerstände und Unterstützungen ausgebildet, sondern leicht ansteigende und dazu noch zueinander parallele (pinkfarbene Linien).

Wie Sie im Chart sehr schön nachvollziehen können, wurden die bei der Ölpreis-Rallye bis Ende April generierten Widerstände und Unterstützungen im sich anschließenden Abstieg in den meisten Fällen punktgenau anvisiert.

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Ölpreisentwicklung: Hier die Gewinner und VerliererErstmals seit 12 Jahren ist der Ölpreis wieder unter die Marke von 30 US-Dollar gefallen. Die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung. › mehr lesen

Und darum ist nun die jüngste Entwicklung so interessant: Denn der gestrige Kurseinbruch um in der Spitze -4,7% endete exakt auf der ansteigenden Unterstützung, die sich aus der Parallele durch den Tiefpunkt im Dezember 2018 ergibt.

Last not least bestätigt auch das Fibonacci-Retracement, dass wir gestern das Ende vorläufigen Ende der Abwärtsbewegung im Ölpreis gesehen haben könnten.

Wie Sie im Chart sehen, passen die genannten Retracements nahezu perfekt zu den von mir eingezeichneten Widerstands- und Unterstützungslinien.“

Volltreffer!

Gut zu erkennen: Meine Prognose vor gut 4 Wochen erwies sich als absoluter Volltreffer!

Der Preisrutsch vom 7. August stellte tatsächlich das Ende der Abwärtsbewegung seit April 2019 dar (grüner Kreis).

Den für Sie aktuell hoch interessanten Punkt habe ich Ihnen mit einem gelben Kreis markiert: Mit der gestrigen Kursentwicklung ist der Ölpreis nämlich aus dem seit April dieses Jahres gültigen Abwärtstrend nach oben ausgebrochen.

Wie Sie im unteren Chartteil nachvollziehen können, hat der Schwung- und Dynamik-Indikator das Kaufsignal nicht nur bestätigt: Das 50-Tage-Momentum gab mit dem Trendbruch Ende August bereits ein erstes vorsichtiges Kaufsignal.

Warum vorsichtig? Nun, weil zu diesem Zeitpunkt das Momentum noch im Minusbereich notierte. Mithin wurde negative Kursdynamik aufgebaut. Inzwischen hat sich das Vorzeichen umgekehrt.

Fazit

Ich habe Ihnen das hier in Chartanalyse-Trends schon unzählige Male geschrieben:

Schauen Sie sich nicht die Märkte an, über die die Börsenmedien ausführlich berichten. Denn hier ist meist schon alles „gelaufen“: Sonst gäbe es ja auch keinen Grund, darüber zu berichten.

Analysieren Sie stattdessen lieber die Märkte, die nicht im Fokus stehen. So wie derzeit – noch – der Ölpreis. Wer mutig war und meiner Prognose vom 8. August gefolgt ist, darf sich bereits über ein feines Plus bei einem Öl-Investment freuen. Das war aber durchaus spekulativ.

Eine höhere Erfolgschance bei einem Einstieg besteht für Sie indes jetzt, nachdem das schwarze Gold gleich 2 Kaufsignale – eines über den Preis selbst und eines über das Momentum – generiert hat.

Und darüber werden sich nicht nur die Saudis & Co freuen!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.