Ölpreis: IEA warnt vor weiterem Anstieg

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Die Krise in Venezuela und die Sanktionen gegen Teheran könnten den Ölpreis weiter ansteigen lassen, so die Internationale Energieagentur. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Sind die Zeiten des billigen Öls nun erst einmal für lange Zeit vorbei? Mit Blick auf den aktuellen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) scheint dies zumindest nicht unwahrscheinlich.

Die IEA warnt darin vor einem baldigen Anstieg des Ölpreises in Bereiche von 80 Dollar je Barrel und mehr. Erst vor wenigen Tagen hatte der Preis für die Nordseesorte Brent diesen Wert erstmals seit mehreren Monaten wieder überschritten.

Als wesentliche Preistreiber benennt die IEA die Produktionsausfälle in Venezuela, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise des Landes, sowie geringere Exporte aus dem Iran wegen der angekündigten US-Sanktionen.

Trumps Teheran-Sanktionen zeigen Wirkung

US-Präsident Donald Trump hatte das Atomabkommen mit Teheran einseitig aufgekündigt und neuerliche Wirtschaftssanktionen in Aussicht gestellt – verknüpft mit der Drohung an andere Länder, sie ebenfalls mit Handelssanktionen abzustrafen, sollten sie weiterhin an dem Deal mit Teheran festhalten und Geschäfte mit dem Iran machen.

Da das Handelsvolumen mit den USA um ein Vielfaches größer ist, haben etliche Unternehmen bereits damit begonnen, geplante Investitionen zurückzuziehen, obgleich man etwa auf deutscher und europäischer Ebene bemüht ist, die Firmen zu ermutigen, an den Geschäftsbeziehungen festzuhalten.

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Dennoch bekommt der Iran die Wirkungen bereits jetzt zu spüren, und das schlägt sich auch in geringeren Ölexporten nieder. Sollten andere Öl fördernde und exportierende Staaten wie etwa Saudi Arabien die Angebotslücke nicht hinreichend schließen, dürfte das die Ölpreise in den kommenden Wochen und Monaten weiter nach oben treiben, so die Einschätzung der Internationalen Energieagentur.

Fehlende Investitionen machen sich bemerkbar

Verschärft wird die Situation durch fehlende Investitionen seitens großer Ölkonzerne: Während des Preisverfalls von Ende 2014 bis 2016 hatten zahlreiche Firmen größere Projekte zur Erschließung von Ölfeldern auf Eis gelegt, um die Kosten zu senken, Bilanzen abzufedern und letztendlich Anleger bei Laune zu halten.

Diese fehlenden Investitionen dürften in den kommenden Jahren spürbar werden und das Angebot weiter verknappen, während die Nachfrage angesichts des Booms in aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien weiter anzieht.

Saudi Arabien hat unterdessen ein Interesse an einem hohen Ölpreis, immerhin basiert der Staatshaushalt zu wesentlichen Teilen auf dem Geschäft mit dem schwarzen Gold. Da kommt der jüngste Anstieg gerade recht, zumal die Opec perspektivisch von ihrer konzertierten Drosselung der Förderkapazitäten Abstand nehmen und die Produktion wieder stärker hochfahren wird.

Dies dürfte umso leichter gelingen, wenn hinreichend viele andere Faktoren dazu beitragen, den Ölpreis anzutreiben und nach unten hin zu stabilisieren – und genau danach sieht es derzeit aus. Gute Nachrichten also für die Scheichs am Golf, schlechte Nachrichten für den Autofahrer an der Zapfsäule: Die Zeiten der günstigen Tankfüllung sind wohl erst einmal vorbei.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.