Ölpreis im Jahr 2020 bei 80 US-Dollar je Barrel

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Warum der Ölpreis mittelfristig wieder steigen wird und ein niedriger Ölpreis als Krisenindikator völlig ungeeignet ist. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Wie die meisten von Ihnen bereits wissen, war ich in der vergangenen Woche anlässlich der Rohstoff- und Edelmetall-Messe in München zu Gast.

Angesichts der fast schon dramatischen Preis-Veränderungen ging es auf dieser Veranstaltung auch um das Thema Öl.

Schließlich ist Öl einer der wichtigsten Rohstoffe und gilt als „Treibstoff der Weltwirtschaft“.

Eine der spannenden Fragen war, wie sich der Ölpreis kurz- und mittelfristig entwickeln wird. Darüber gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen.

Ich teile in vielen Punkten die Einschätzung, die die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrer aktuellen Studie zum Thema Öl vertritt.

Warum der Ölpreis steigen wird

Die IEA ist davon überzeugt, dass das aktuell niedrige Niveau des Ölpreises nicht mehr allzu lange Bestand haben wird. Im World Economic Outlook prognostiziert die IEA einen langsamen Anstieg des Ölpreises.

In ihrem zentralen Szenario geht die IEA davon aus, dass es bis zum Jahr 2020 dauern wird, bis der Ölpreis wieder ein Preisniveau von 80 US-Dollar je Barrel (159 l) erreichen wird.

Einen Ölpreis von 80 US-Dollar je Barrel oder mehr gab es zuletzt im November 2014.

Nach Ansicht der Energie-Agentur habe der Verfall des Ölpreises Kräfte in Bewegung gesetzt, die durch ein höheres Nachfrage-Wachstum zu einer Wiederherstellung des Markt-Gleichgewichts führen werden.

Anders gesagt: Durch eine steigende Nachfrage und ein zugleich maximal konstantes Angebot wird der Preis automatisch steigen.

Ohne eine unerwartete Beschleunigung der Nachfrage oder eine Störung des Angebots werde die Preis-Anpassung allerdings einige Zeit dauern.

Nach der jüngsten IEA-Schätzung wird sich die globale Öl-Nachfrage in diesem Jahr auf 90,6 Mio. Barrel pro Tag erhöhen (+1,9%). Das liegt deutlich über der durchschnittlichen Wachstumsrate der vergangenen 10 Jahre, die bei 0,9% lag.

Im Vergleich zu dem durchschnittlichen jährlichen Nachfrage-Anstieg in Folge des Ölpreis-Verfalls im Jahr 1986 ist die aktuelle Nachfrage-Steigerung um 1,9% allerdings gering.

Denn: Im Anschluss an den Ölpreis-Verfall aus dem Jahre 1986 stieg die Nachfrage bis zum Ende der 80er-Jahre um durchschnittlich 2,5% pro Jahr.

Geringere Korrelation zwischen Öl-Nachfrage und Wirtschafts-Wachstum

Die aktuell schwächere Reaktion auf den Preisverfall beim Öl ist nach Ansicht der IEA auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Dazu zählt beispielsweise der starke US-Dollar, durch den der Preissturz in vielen Einfuhr-Ländern begrenzt wird.

Hinzu kommt, dass die Bedeutung des Energieträgers Öl für die Weltwirtschaft abnimmt. Die pro Produktionseinheit verbrauchte Menge Öl ist in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig gesunken.

Dadurch korreliert das globale Wirtschafts-Wachstum nicht mehr so stark mit einem Wachstum der Nachfrage nach Öl, wie es vor Jahren und Jahrzehnten der Fall war.

Ein wichtiger Grund dafür: China, auf das in den vergangenen 10 Jahren 60% des globalen Verbrauchs-Wachstums entfiel, tritt augenblicklich in eine weniger energieintensive Phase seines Wachstums ein.

Oder anders gesagt: China befindet sich aktuell im Wandel von einer Industrie- hin zu einer Dienstleistungs-Gesellschaft.

Ölpreis im Jahr 2030 wieder über 100 US-Dollar

Die IEA schätzt, dass sich die weltweite Nachfrage nach Öl bis zum Jahr 2020 auf 95,9 Mio. Barrel pro Tag erhöhen wird. In den darauffolgenden 20 Jahren wird sich das Wachstum der Prognose zufolge jedoch verlangsamen.

Für das Jahr 2040 wird eine globale Nachfrage von 103,5 Mio. Barrel prognostiziert. Die Ölpreis-Prognose für die Jahre 2030 und 2040 lautet auf 113 bzw. 128 US-Dollar je Barrel.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ölpreis mittelfristig wieder steigen wird, es aber dennoch eine Weile dauern wird, bis wir wieder Ölpreise von über 100 US-Dollar je Barrel erleben werden – es sei denn, ein externer Schock löst einen Anstieg aus.

Weiterhin gilt es festzuhalten, dass der aktuell niedrige Ölpreis nichts mit einer sich abschwächenden globalen Konjunktur zu tun hat und somit als Krisen-Indikator völlig ungeeignet ist.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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