Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Ölpreis: Jetzt mögliche charttechnische Szenarien

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Die Charttechnik im Ölpreis hat sich seit Oktober 2018 grundlegend gewandelt. Meine Analyse der Trends. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

In meiner gestrigen Analyse hatten wir heraus gestellt, dass der Ölpreis für Ihre Investments ein mächtiges Instrument sein kann: Er ist regelmäßig die Basis für ausgedehnte Aufwärtsbewegungen am Aktienmarkt.

Die Gründe dafür hatte ich Ihnen ebenfalls genannt: Als DAS Schmiermittel der Weltwirtschaft schlechthin prägt er viele Bereiche unseres täglichen Lebens.

Der für Öl zu zahlende Preis bestimmt maßgeblich die aufzuwendenden Kosten auf privater und noch weit mehr auf geschäftlicher Ebene. Und damit wiederum beeinflusst das schwarze Gold maßgeblich die Trends am Aktienmarkt.

Nach einem so nicht unbedingt zu erwartenden Preisverfall um bis zu -42% in nur einem Quartal (Oktober bis Dezember 2018) stellt sich somit die Frage:

War’s das schon? Oder birgt die Abwärtsbewegung noch weiteres Potenzial?

Je länger, desto Überblick!

Je höher Sie einen Berg erklimmen, umso weiter können Sie schauen. (Klare Sicht natürlich vorausgesetzt!) Auf die Finanzmärkte übertragen bedeutet das:

Je größer die Historie eines betrachteten Kursverlaufes ist, umso klarer wird das Bild der ihm innewohnenden lang- und mittelfristigen Trends. Schauen wir also zunächst gemeinsam auf den folgenden Chart:

Ölpreis: Lang- und mittelfristig im Abwärtstrend

Das im Juli 2008 bei 147,50 USD pro Barrel (= Fass = 159 Liter) erreichte Allzeithoch war der Endpunkt einer ausgedehnten, mehrjährigen Aufwärtsbewegung. Da alle seither markierten Tops darunter blieben, befindet sich der Ölpreis in einem langfristigen Abwärtstrend.

Der Chart gibt Ihnen auch Aufschluss darüber, warum der eingangs erwähnte Preisverfall im 4. Jahresviertel 2018 nicht unbedingt zu erwarten war:

Aus charttechnischer Sicht besaß ein Andocken an dem im Jahr 2008 etablierten Abwärtstrend bei etwa 98,00 USD die größte Wahrscheinlichkeit. Am Ende fehlten dafür knapp 12 USD.

Sie sehen im Chart aber auch: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2015 wurde durch die Abwärtsbewegung im zurückliegenden Quartal nach unten durchbrochen.

Mögliche langfristige Szenarien

Dieser Fakt bedeutet indes nicht zwangsläufig, dass der Ölpreis den mit dem roten Pfadpfeil skizzierten Verlauf in Richtung der unteren Abwärtstrend-Kanals nimmt.

Möglicherweise war der Anstieg von 2015 bis 2018 einfach nur zu steil: Wie Sie anhand der blauen Pfadpfeile in der Aufwärtsbewegung von 1998 bis 2008 erkennen, gab es dazu Parallelen in der Vergangenheit.

Das Erreichen der Oberseite des Abwärtstrend-Kanals ist mithin also durchaus noch möglich. Eine solche Entwicklung habe ich für Sie einmal mit dem grünen Pfadpfeil skizziert.

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Donald Trump: Ölpreis firstDer Ölpreis ist seit 2015 erstmals wieder über die Marke von 80 $ gestiegen. Preise von über 100 $ sind schon bald wieder möglich. › mehr lesen

Das Kursziel läge dann natürlich auf einem leicht ermäßigten Niveau (etwa 95 USD), abhängig von der Dynamik einer möglichen Aufwärtsbewegung.

Ein mögliches mittelfristiges Szenario

Lassen Sie uns nun zusammen auf einen mittelfristigen Chart des Ölpreises blicken:

Ölpreis: Das Kursziel 95 USD pro Barrel sollten Sie noch nicht abschreiben!

Lang- und mittelfristig zeigen die Trends nach unten. Kurzfristig hat sich ein Aufwärtstrend entwickelt, nachdem der Abwärtstrend seit Oktober 2018 nach oben durchschlagen werden konnte.

Der blaue Pfadpfeil zeigt Ihnen auch hier eine durchaus wahrscheinliche Variante: Ein Pull-Back (Rücksetzer) in Richtung der durchbrochenen Trendlinie und daran anschließend ein Anstieg bis an den Aufwärtstrend aus dem Jahr 2016.

Auch eine solche Bewegung wäre ein charttechnisch normaler Pull-Back – hier eben in Richtung des durchschlagenen 2016er-Aufwärtstrends.

Das 50-Tage-Momentum im unteren Chartteil macht indes auch deutlich: Da sich der Indikator im Minusbereich bewegt, wird derzeit noch negative Kursdynamik aufgebaut.

Das sollte Sie zur Vorsicht im Umgang mit dem Kaufsignal ermahnen, das der Bruch des Abwärtstrends Ihnen geliefert hat.

Fazit

Die Chart-Historie bis ins Jahr 1998 zurück zeigt Ihnen: Der Ölpreis bewegt sich seit dem Sommer 2008 in einem langfristigen Abwärtstrend.

Auch mittelfristig weist die Tendenz nach unten: Das haben wir dem Bruch des im Jahr 2015 etablierten Aufwärtstrends im November 2018 zu verdanken.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass der Ölpreis in der Konsequenz nun bis auf die Unterseite des seit 2008 ausgebildeten Abwärtstrend-Kanals bei etwa 23 USD bis 25 USD abstürzen muss.

Wie analysiert, ist durchaus ein Erreichen des bis September 2018 noch wahrscheinlichen Kursziels möglich: Die aus dem Jahr 2008 stammende Abwärtstrendlinie.

Die eingangs gestellte Frage lässt sich mithin nicht eindeutig beantworten: Ich sehe indes eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit für das mit dem grünen Pfadpfeil im ersten Chart skizzierte Aufwärts-Szenario.

Mit entsprechend positiver Entwicklung am Aktienmarkt.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.