Ölpreis: Kursziel 150 USD oder 75 USD?

Der „Gott des Rohölhandels“, wie ihn seine Anhänger bezeichnen, Andrew John Hall, wettet auf einen langfristigen (bis 2019) Anstieg des Ölpreises auf 150 USD. Aktuell notiert das „schwarze Gold“ – je nach Ölsorte – mehr oder weniger deutlich unter der 100 USD-Marke.

Hall ist mit seinen Ölpreis-Prognosen bereits seit 30 Jahren erfolgreich. Also: Sollten Sie auch auf einen Preis-Boom beim Öl setzen? Nun, es gibt auch gegenteilige Voraussagen:

Eine geradezu extreme Gegenmeinung vertritt der Ölanalyst Edward Morse vom Bankhaus Citigroup. Morse erwartet einen Einbruch des Ölpreises auf nur noch 75 USD.

Als einer der wichtigsten Gründe für die erwartete Verbilligung gilt der Fracking-Boom in den USA. Bei dieser umstrittenen Methode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und chemischen Zusätzen unter hohem Druck in ölhaltiges Schiefergestein gepresst.

Da die Langzeit-Folgen für die Umwelt noch weitgehend ungeklärt sind, ist Fracking beispielsweise in Deutschland verboten. Nicht wenige Experten sehen in diesem Verfahren eine Verunreinigung des Grundwassers durch die Chemikalien.

Rückblick

Ganz ehrlich: Ich habe zu geringe Spezialkenntnisse bezüglich des Frackings, um daraus eine langfristige Prognose für den Ölpreis abzuleiten. Da verlasse ich mich doch lieber auf die gute alte Charttechnik.

Zuletzt schrieb ich Ihnen am 25. August hier in Chartanalyse-Trends folgende Zeilen zur Ölpreis-Entwicklung:

„Der Preis für die Ölsorte Brent pendelt seit 3 Jahren und 7 Monaten … zwischen den Marken 126 USD und 99 USD. … Wie Sie unschwer erkennen können, notiert der Ölpreis aktuell mit 101,62 USD nahe der unteren Begrenzung der Handelspanne. Das heißt:

Trotz des für den Ölpreis doch recht heftigen Rückschlages ist aus Sicht der Charttechnik noch immer keine Entscheidung über den künftigen Trend gefallen.

Meine mehr als 3 Jahrzehnte umfassen Börsenerfahrung sagt mir, dass wir die größere Handelsspanne nach dem kräftigen Abwärtsschub mit guter Wahrscheinlichkeit allenfalls kurzzeitig nach unten verlassen werden.“

Aktuelle Analyse

Schauen wir uns nun die aktuelle Chartsituation an. Heute habe ich Ihnen zum Vergleich auch noch den Kursverlauf für Light Sweet Crude Oil, also die Ölsorte WTI (West Texas Intermediate) eingeblendet. Dabei handelt es sich um die überwiegend in den USA geförderte Ölsorte.

Um Ihnen einen möglichst langfristigen Überblick über die Preisentwicklung zu geben, habe ich einen Monats-Chart über die letzten 10 Jahre gewählt. Der letzte Balken ist natürlich noch nicht vollständig.

vergleich brent oil index – light sweet crude oil wti future-15-09-2014

Vergleich Brent Oil Index und Light Sweet Crude Oil

Beiden Ölsorten ist gemeinsam, dass sie seit Anfang 2011 auf hohem Niveau seitwärts konsolidieren. Allerdings auf unterschiedliche Weise.

Das Nordsee-Öl pendelte weitgehend in einer breit angelegten Handelsspanne auf und ab. Beim WTI hingegen sehen wir ein symmetrisches Dreieck mit immer kleiner werdenden Ausschlägen.

Fazit

Aktuell sind beide Ölsorten aus ihren Konsolidierungs-Formationen nach unten ausgebrochen. Daraus jedoch bereits einen langfristigen Abwärtstrend ablesen zu wollen, könnte etwas verfrüht sein. Denn:

Charttechnik-Profis wissen: Dreiecks-Formationen neigen zu Fehlsignalen. Nicht selten wendet sich ein Ausbruch daraus mit einer Zeitverzögerung in die entgegengesetzte Richtung.

15. September 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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