Ölpreis: Kursziel 99 USD – ohne Gezwitscher

Soeben erreichte der Ölpreis den höchsten Stand seit November 2014. Was sagt nun die Charttechnik zu den Perspektiven? (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Haben Sie in den letzten Tagen Twitter-Kommentare von Donald Trump zum Ölpreisanstieg gelesen oder davon gehört? Ich auch nicht. Merkwürdig, nicht wahr?

Als der Preis des „schwarzen Goldes“ in den 6 Wochen zuvor um mehr als +15% gestiegen war, wetterte der US-Präsident am 20. April 2018 via Twitter. Die OPEC (Organisation Erdöl exportierende Länder) sei, seiner Ansicht nach, durch ihre Verknappung des schwarzen Goldes verantwortlich für den Preisanstieg.

Damals notierte der Ölpreis bei gut 73,00 USD je Barrel. Die englische Bezeichnung Barrel steht übrigens für „Fass“ – die von den Ölproduzenten genutzte Abfüllmethode. Ein Fass wiederum beinhaltet 159 Liter.

Gestern markierte der Preis des Rohstoffs mit knapp 85,00 USD / Barrel den höchsten Stand seit November 2014. Doch bis jetzt gab es deswegen kein Trump-„Gezwitscher“.

Muss es aber auch nicht. Auch ein Ölpreis lässt sich schließlich nicht durch „Rum-Twittern“ eines Staatsmannes beeinflussen. Zumindest nicht dauerhaft.

Wir schauen einmal auf die aktuelle Charttechnik.

Kurzer Exkurs zum Thema Trends

Aktien bewegen sich in Trends.

Das kennen Sie, weil ich diesen Satz hier schon unzählige Male bemüht habe. Und das gilt natürlich nicht nur für Aktien, sondern auch alle anderen börsengehandelten Märkte.

Doch es existiert nicht nur der Trend, den Sie auf einem Chart der letzten Wochen erkennen können:

  • Kurzfristige Trends dauern Tage bis Wochen.
  • Mittelfristige Trends halten Wochen bis Monate an.
  • Langfristige Trends reichen von Monaten bis Jahren.

Daraus ergibt sich wiederum eine Konsequenz: Die zeitlich untergeordneten Trends können vorübergehend durchaus in die der höheren Zeitebene entgegengesetzte Trendrichtung laufen.

Das Gute daran ist: Wenn Sie beispielsweise wissen, dass in dem von Ihnen betrachteten Markt ein langfristiger Aufwärtstrend vorliegt, dann können Sie mittelfristige Rücksetzer zu einem günstigen Einstieg oder zur Positionsaufstockung nutzen.

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Ölpreis: Langfristig (noch) im Abwärtstrend

Doch genug der Vorrede. Schauen wir nun erst einmal auf einen Monats-Chart des Ölpreises:

Brent Crude Oil: Langfristig noch im Abwärtstrend

Seit dem Allzeithoch im Juli 2008 bewegt sich der Ölpreis in einem langfristigen Abwärtstrend. Und wie Ihnen der blaue Pfeil und der gelbe Kreis offenbaren, nähert sich der Brent Crude Oil Future dieser Trendlinie:

Das ist das Mindest-Kursziel. Gelingt der Trendbruch, dann wäre der Ölpreis nach oben erst einmal offen: Dann lautet das nächste Kursziel: 147,50 USD / Barrel – das Allzeithoch.

Den Relative Stärke Index (RSI) hatte ich Ihnen am Montag vergangener Woche ausführlich vorgestellt. In diesem Ölpreis-Chart sehen Sie noch einmal die exzellente Prognose-Qualität des Trend-Intensitäts-Indikators auf der Monats-Zeitebene.

Das Mindest-Kursziel liegt bei 99,00 USD

Kommen wir zur mittelfristigen Betrachtung. Nun wird das Analyse-Bild vervollständigt:

Brent Crude Oil: Kursziel 99,00 USD im Dezember 2018

Folgt der Ölpreis dem seit Mitte August ausgebildeten Trend-Kanal (blaue Linien), dann wird das im Monats-Chart gezeigte Mindest-Kursziel (gelber Kreis) im Laufe des Dezembers 2018 erreicht.

Und das liegt bei knapp 100,00 USD. Ob ein gewisser Trump nun „zwitschert“ oder auch nicht.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.