Ölpreis legt Rückwärtsgang ein

Erstmals seit Monaten erfolgt eine Preiskorrektur beim Öl – und das ist womöglich erst der Anfang. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Gute Nachrichten für Verbraucher: Der Ölpreis hat sein Limit offenbar vorläufig erreicht und befindet sich nun seit einigen Wochen im Rückwärtsgang.

Auf knapp 80 Dollar je Barrel war der Preis für die Nordseesorte Brent im Mai angestiegen, die US-Sorte WTI notierte wie üblich nur knapp dahinter. Auslöser des jüngsten Preisanstiegs war vor allem das Aufkündigen des Atomabkommens mit dem Iran durch US-Präsident Donald Trump, der in diesem Zusammenhang auch gleich neue Sanktionen ankündigte.

Im Zuge des Deals hatte der Iran seinerzeit die Ölproduktion wieder angekurbelt und mehr exportiert. Neue Sanktionen dürften diese Quelle wieder weitgehend abwürgen, was den Preisanstieg begünstigte.

Engpässe werden aufgefangen

Inzwischen allerdings ist klar: Etwaige Produktionsausfälle ließen sich nicht nur theoretisch leicht auffangen, sondern Saudi Arabien, Russland und Co. sind auch bereit, dies zu tun. Immerhin hatten die Opec-Staaten sowie einige Drittländer, darunter mit Russland der weltgrößte Ölförderer, die Produktion Ende 2016 künstlich gedrosselt, um die Preise anzukurbeln und zu stabilisieren – eine Maßnahme, die bislang ziemlich erfolgreich gefruchtet hat.

Der Ölpreis schnellte bereits durch das Zustandekommen der Absprache von etwa 45 auf rund 55 Dollar je Barrel nach oben, seither ging es ziemlich stetig weiter aufwärts, eben bis knapp unter 80 Dollar im Mai. Die anschließend einsetzende Korrektur hat den Ölpreis nun wieder auf 73 (Brent) beziehungsweise 64 Dollar (WTI) je Barrel gedrückt.

Aus Verbrauchersicht sind das ziemlich gute Nachrichten, die sich unmittelbar auf das Haushaltsbudget niederschlagen, etwa durch sinkende Kosten an der Zapfsäule. Und womöglich ist das erst der Anfang.

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Ende der Förderkürzung in Sicht?

Medienberichten zufolge will Russland vorschlagen, die Förderkürzung auslaufen zu lassen und zum Produktionsniveau von 2016 zurückzukehren. Dadurch wären täglich 1,8 Millionen Barrel mehr verfügbar, verteilt auf die an der bisherigen Kürzung beteiligten Staaten.

Eine solche Ölflut könnte den Preis noch weiter drücken, allerdings hat sich in der Zwischenzeit auch die Nachfrageseite wieder erholt, die Weltkonjunktur läuft besser, der Bedarf nach frischem Öl ist gestiegen.

Zudem hat sich auch die Phase des Preisverfalls von Ende 2014 bis 2016 als unverhofftes Konjunkturprogramm erwiesen. In etlichen Industriezweigen sind dadurch zwischenzeitlich die Produktionskosten gesunken, Logistikkonzerne oder Fluglinien profitierten von günstigem Sprit.

Ein so dramatischer Preisrutsch wie Anfang 2016, als das Barrel kurzzeitig für unter 30 Dollar zu haben war, ist derzeit eher nicht zu befürchten. Ein Anstieg auf 100 Dollar und mehr wie im Sommer 2014, den einige Experten bereits vorausgesagt hatten, ist zumindest kurzfristig jedoch auch eher nicht in Sicht.

Wahrscheinlicher ist, dass die Ölexporteure das Preisniveau im Bereich um 70 bis 80 Dollar je Barrel stabil halten wollen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.