Ölpreis: Neues von der Opec

Erdöl Symbolbild Aufbewahrung_shutterstock_727266628_Avigator Thailand

Die Opec beschließt eine höhere Ölförderung – allerdings nicht so hoch wie vom Markt erwartet. Der Ölpreis steigt. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Neues von der Opec: Die Organisation Öl exportierender Staaten hat Ende vergangener Woche beschlossen, ihre Förderaktivitäten wieder zu erhöhen.

Dieser Schritt würde auf den ersten Blick einen fallenden Ölpreis begünstigen, doch zunächst einmal war das Gegenteil der Fall: Am Freitag schnellte der Preis je Barrel in die Höhe. Für ein Fass der US-Sorte WTI wurden gut 68 Dollar fällig, die Nordseesorte Brent war für fast 75 Dollar je Barrel zu haben. Damit kosteten beide Sorten etwa 3,5 beziehungsweise 2 Prozent mehr als zuvor.

Preisanstieg trotz höherer Ölförderung

Als Grund für den kurzfristigen Preisanstieg machten Beobachter die Erwartungshaltungen aus: An den Märkten hatte man bereits mit dem Schritt gerechnet, allerdings war man hier von einer noch großzügigeren Ausweitung des Förderangebots ausgegangen. Die Opec sieht ab Juli vorerst lediglich eine Mehrproduktion um rund 1 Million Barrel pro Tag vor.

Vorausgegangen war dieser Entwicklung eine Phase von etwa anderthalb Jahren massiv gedrosselter Ölproduktion. Dazu hatten sich die Opec und weitere Öl fördernde Staaten, darunter Russland, Ende 2016 zusammengerauft, um dem länger andauernden Preisverfall des Rohstoffs entgegenzuwirken.

Die Maßnahmen fruchteten, der Ölpreis zog seither kräftig an und verhielt sich insgesamt recht stabil, von den üblichen kurzfristigen Schwankungen einmal abgesehen. Auf Jahressicht bewegen sich die Preise für beide Sorten zurzeit rund 60 Prozent im Plus, nachdem sie im Mai den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht hatten mit knapp 80 Dollar für die Sorte Brent beziehungsweise rund 73 Dollar für WTI.

Öl Fracking USA RED – shutterstock_175228745

Rohöl weiter im AufwindDer Anstieg von Brent Crude wird wohl bald ein Ende haben. Wir befinden uns an einem Widerstand. Genau dort wurde heute wieder abverkauft. › mehr lesen

Steigende Nachfrage dank guter Konjunktur

Angesichts der brummenden weltweiten Konjunktur war zuletzt der Bedarf gestiegen. Zugleich hatte die Aufkündigung des Iran-Abkommens durch US-Präsident Donald Trump für Unruhe gesorgt. Allerdings könnten Produktionsausfälle des Iran wohl recht problemlos durch andere Förderländer wie Russland oder Saudi Arabien aufgefangen und kompensiert werden, sodass dadurch nicht unbedingt mit einer Verknappung zu rechnen wäre.

Zudem fördern auch die USA selbst was das Zeug hält. Durch die Ausweitung der umstrittenen Fracking-Methode sind sie mittlerweile zum zweitgrößten Ölproduzenten hinter Russland aufgestiegen. Das dadurch entstehende Überangebot hatte Ende 2014 den Preisverfall mit eingeläutet, der den Ölpreis bis Anfang 2016 auf zeitweise unter 30 Dollar hatte abstürzen lassen.

USA und Saudi Arabien an stabilem Ölpreis interessiert

An einem stabilen Ölpreis auf höherem, aber nicht zu hohen Niveau sind derzeit sowohl Saudi Arabien als auch die USA besonders interessiert: Die Saudis wollen in Kürze ihren Staatskonzern Aramco an die Börse bringen. Beobachtern zufolge wäre ein Ölpreis von etwa 80 Dollar je Barrel ein gern gesehener Begleitrahmen dafür.

Und in den USA stehen im Herbst die Midterm-Wahlen an. Aus Sicht von Donald Trump und seinen Republikanern sollte der Spritpreis dann nicht zu hoch sein, denn sie genießen vor allem in den Südstaaten starken Rückhalt, wo die Menschen oftmals lange Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.