Ölpreis: Opec einigt sich erneut auf Förderkürzung

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Die Opec und ihre Verbündeten haben sich erneut auf eine Förderkürzung verständigt, um den Ölpreisverfall zu stoppen. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Alle Jahre wieder trifft sich die Opec und berät ihre Ölstrategie.

Am Ölpreis scheiden sich die Geister: Ist der Rohstoff günstig zu haben, wirkt das wie ein Konjunkturprogramm. Private Konsumenten haben durch geringere Heizöl- und Spritkosten mehr Geld in der Tasche, der Konsum steigt, die Wirtschaft brummt. Zugleich profitieren auch produzierende Unternehmen in zahlreichen Branchen sowie die Transport- und Luftfahrtindustrie.

Auf der anderen Seite stehen die Ölproduzenten. Gerade in den Ländern, die der Organisation Öl exportierender Staaten (Opec) angehören, hängen ganze Staatshaushalte am Ölpreis. Sinkt er zu stark, klafft ein Loch im Budget. Das gilt insbesondere für Saudi Arabien.

Das wichtigste Land innerhalb der Opec hatte beim Treffen der Organisation und ihrer Verbündeten in Wien Anfang des Monats dementsprechend ein großes Interesse daran, den Ölpreis zu stabilisieren. Dieser war in den vergangenen Wochen dramatisch gefallen, allein seit Anfang Oktober ging es um 30 Prozent abwärts.

Förderkürzung: Opec reagiert auf Preisverfall

Auf solche Entwicklungen reagiert die Opec üblicherweise mit Förderkürzungen. Wird das Angebot gedrosselt, steigt der Ölpreis, so das Kalkül, das in der Vergangenheit zumeist auch aufgegangen war. Auf den Preisverfall ab Ende 2014 reagierte die Organisation bereits mit einer drastischen konzertierten Förderkürzung – und schaffte es so tatsächlich, den Ölpreis anzukurbeln und mittelfristig zu stabilisieren.

Nun hat man sich in Wien erneut auf eine Kürzung verständigt. Um 1,2 Millionen Barrel pro Tag soll die Produktion in den kommenden sechs Monaten heruntergefahren werden. Und in der Ferne meint man, den US-Präsidenten mit dem Fuß aufstampfen zu hören.

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Donald Trump hatte im Vorfeld des Opec-Treffens angemahnt, die Förderkürzung weniger umfänglich ausfallen zu lassen. Am liebsten wäre es ihm gewesen, überhaupt nicht zu kürzen und seinen Wählern auch im Winter einen niedrigen Ölpreis bieten zu können.

USA weltgrößter Ölproduzent

Allerdings ist die Preisentwicklung auch für die Vereinigten Staaten ein zweischneidiges Schwert – denn durch den vor Oktober monatelang gestiegenen Ölpreis hatte das Land zuletzt Russland und Saudi Arabien überholt und war zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegen, dank seiner boomenden Fracking-Industrie.

Diese ist zwar nicht mehr ganz so störanfällig bei Preisschwankungen wie noch vor 3 bis 4 Jahren, als im Zuge des Preisverfalls etliche Unternehmen dichtmachen mussten. Doch es gibt nach wie vor eine Schmerzgrenze, und die liegt bei etwa 50 Dollar je Fass. Diesen hatte die US-Sorte WTI Ende November fast erreicht.

Niedrigwasser im Rhein lässt deutsche Verbraucher weiter ächzen

Hierzulande profitieren Verbraucher übrigens in recht unterschiedlichem Ausmaß von dem jüngsten Preisrutsch: Zwar hat der Ölpreis den tiefsten Stand des Jahres erreicht, doch an den Zapfsäulen entlang des Rheins ist die Entlastung kaum zu spüren.

Der Grund: Deutschlands wichtigste Wasserstraße führt wegen des historisch heißen und trockenen Sommers viel zu wenig Wasser, sodass Schiffe längst nicht mehr mit voller Last vorankommen. Dementsprechend wird wesentlich weniger Öl angeliefert als üblich, was an einigen Tankstellen schon zu zwischenzeitlichen Schließungen führte – und zu dem Effekt, dass es sich in Hamburg gerade deutlich günstiger tanken lässt als in Köln.

Inwieweit sich der neuerliche Opec-Kompromiss langfristig auswirken wird, bleibt abzuwarten. Zumindest kurzfristig ließ die Einigung den Ölpreis in die Höhe schnellen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.