Ölpreis: Opec lässt Trump abblitzen

Trump fordert von der Opec eine Senkung der Ölpreise – doch das Kartell verfolgt andere Interessen und lässt den US-Präsidenten abblitzen. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Die Opec solle für niedrigere Ölpreise sorgen, hatte US-Präsident Trump vergangene Woche gefordert. Sein – wie gewohnt – per Twitter vorgetragener Appell verhallte jedoch weitgehend effektlos.

Am Wochenende trafen sich Vertreter der Opec-Staaten sowie weiterer Öl exportierender Länder, darunter Russland, in der algerischen Hauptstadt Algier, um ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Seit Januar 2017 haben die Staaten in einer konzertierten Aktion die Ölförderung gedrosselt.

Durch die künstliche Verknappung des Angebots sollte der Ölpreis stabilisiert werden, nachdem dieser zwischen 2014 und 2016 drastisch abgestürzt war von mehr als 110 Dollar je Barrel auf zeitweise unter 30 Dollar pro Fass.

Der Preisverfall hatte etliche Unternehmen der Branche – insbesondere die gerade erst aufstrebenden Frackingfirmen in den USA – unter Druck gesetzt und reihenweise in den Konkurs geführt.

Konzertierte Opec-Aktion stabilisiert Ölpreis langfristig

Die Maßnahmen der Opec und seiner Verbündeten verfehlten ihre Wirkung nicht: Bereits die Ankündigung der gemeinsamen Drosselung der Förderung sorgte zum Jahresende 2016 hin für einen deutlichen Preisanstieg, der Erholungskurs hat sich seither fortgesetzt und insbesondere im laufenden Jahr noch einmal beschleunigt.

Um fast 20 Prozent ist der Ölpreis seit Jahresbeginn in die Höhe geschnellt. Mehr als 80 Dollar wurden zuletzt wieder für ein Barrel der Nordseesorte Brent fällig. Damit kostet der Rohstoff so viel wie seit November 2014 nicht mehr, hat also inzwischen das Preisniveau von vor der Krise wieder erreicht.

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Trumps bereits zum wiederholten Male geäußerte Forderung nach einer Erhöhung der Ölförderung durch die Opec-Staaten dürfte in erster Linie wahlkampftaktische Gründe haben: Anfang November finden in den USA die Midterm-Wahlen statt und der skandalumwobene US-Präsident erfreut sich derzeit keines allzu großen Rückhalts in weiten Teilen der US-Bevölkerung. Spürbar sinkende Öl- und somit auch Spritpreise könnten Wählerpotenziale aktivieren, gerade in den ländlichen Regionen Süd- und Mittelamerikas, in denen Trump besonders viele Anhänger hat.

Opec lässt Trump abblitzen

Doch daraus wird erst einmal nichts, denn die Opec und ihre Partner erklärten am Wochenende, dass sie das Verhältnis von Angebot und Nachfrage derzeit für ausgewogen halten – und somit keinen Grund sehen, an der aktuellen Lage etwas zu verändern.

Vor wenigen Wochen erst hatte das Kartell eine schrittweise Erhöhung der Produktion beschlossen. Damit sollen die Fördermengen kompensiert werden, die der Iran aufgrund neuerlicher US-Sanktionen nicht mehr auf dem Weltmarkt unterbringen kann.

Zudem liegt ein weiterer deutlicher Preisanstieg ebenfalls nicht im Interesse der Opec. Sie befürchtet, dass dies die Nachfrage abwürgen könnte und versucht daher eher, den Ölpreis auf dem aktuellen Niveau um 80 Dollar je Barrel zu stabilisieren.

Für ein Fass der US-Sorte WTI wurden zuletzt gut 72 Dollar fällig. Auf Sicht von 12 Monaten haben sich beide Sorten um rund ein Drittel verteuert.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.