Ölpreis: Warum die OPEC die Kontrolle verliert

Die Zeiten, in denen Förderkürzungen der OPEC den Ölpreis in die Höhe schießen ließen, scheinen vorbei zu sein. Den Kurs bestimmen die USA. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Mit einem Schlag war sie vorbei, die monatelange Seitwärts-Bewegung beim Ölpreis: Anfang März kippte der Kurs dramatisch ins Minus, das Barrel Öl fiel wieder unter die Preismarke von 50 Dollar.

In der vergangenen Woche sah es kurzzeitig nach einer Gegenbewegung aus, doch auch die drehte schnell wieder in Richtung Kurssturz.

Fällt der Ölpreis nun wieder ins Bodenlose, wie wir es Ende 2015, Anfang 2016 beobachten konnten? Damals rauschte der Preis nahezu ungebremst in die Tiefe, erst bei knapp unter 30 Dollar je Barrel fand eine Bodenbildung statt und die Gegenbewegung setzte ein.

OPEC-Beschluss vermutlich länger in Kraft

Trotz des neuerlichen Kursknicks ist allerdings zu bezweifeln, dass der Ölpreis erneut so unkontrolliert abstürzt – zumindest, wenn die OPEC ihre Strategie weiterverfolgt.

Für das erste Halbjahr hatten sich die OPEC-Staaten mit einigen Drittländern, darunter Russland, auf Förderkürzungen verständigt, um das Verhältnis von Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren und somit die Preise zu stabilisieren bzw. anzukurbeln.

Das hat bekanntlich nur z. T. geklappt:

Zwar schoss der Ölpreis Ende November in die Höhe, als der Kompromiss bekannt wurde, den die meisten Beobachter für eher unwahrscheinlich gehalten hatten.

Auch dass die Beschlüsse ab Anfang Januar tatsächlich umgesetzt wurden, galt als überraschend und stabilisierte den Ölpreis, der dank des OPEC-Beschlusses von zuvor rund 45 auf stabil über 50 Dollar je Barrel angestiegen war.

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OPEC: Stabilisator statt Kurstreiber

Da allerdings die USA und hier insbesondere die Fracking-Industrie eben nicht in die Kürzungs-Beschlüsse eingebunden war und zudem von den anziehenden Ölpreisen in puncto Wirtschaftlichkeit profitieren konnte, sprudelte der Rohstoff fortan eben aus den US-Bohrlöchern und sorgt dort für nach wie vor hohe Lagerbestände.

Das bringt die OPEC in die kuriose Situation, dass sie nun nicht mehr – wie in früheren Zeiten – in der Lage ist, per Kürzungs-Beschluss den Ölpreis in die Höhe zu treiben, sondern dass eine solche Einigung gerade einmal dazu taugt, eine Stabilisierung herbeizuführen.

Verabschiedet sich die OPEC von ihrem Drossel-Abkommen, dürfte auch der Ölpreis wieder deutlich absinken.

Insofern gilt als recht wahrscheinlich, was verantwortliche Minister in den vergangenen Wochen bereits angedeutet haben: Der Förderkürzungs-Beschluss wird wohl auch in den kommenden Monaten Bestand haben.

Was nun?

Fraglich bleibt indes, ob das ausreicht: Der Blick auf die Ölpreis-Entwicklung der vergangenen Wochen lässt eher befürchten, dass die OPEC noch einmal nachbessern muss.

Das jedoch wird für die Haushalts-Kassen der beteiligten Länder eher schmerzhaft und ist insofern alles andere als sicher.

Freuen können sich unterdessen die Verbraucher: Sie spüren den Preisverfall direkt in ihrem Budget, etwa durch Tankfüllungen, die nun wieder etwas günstiger ausfallen als zuletzt.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.