Ölpreis: Plötzlicher Durchbruch – oder doch nicht?

Auf einmal ging alles ganz schnell:

Die Organisation Öl exportierender Länder, die sich im OPEC-Kartell zusammengeschlossen haben, verkündete nach einem informellen Treffen Mitte der Woche eine überraschende Einigung:

Nach 2,5-jährigen und bislang ebenso zählen wie erfolglosen Verhandlungen habe man sich auf eine Begrenzung der Gesamt-Fördermenge verständigt, hieß es.

Demnach soll das tägliche Produktions-Volumen künftig auf 32,5 – 33 Mio. Barrel beschränkt werden. Das wären täglich etwa 750.000 Barrel weniger als im August.

Der Einigung soll eine Annäherung der politischen und wirtschaftlichen Erzrivalen Saudi Arabien und Iran vorangegangen sein.

Die Differenzen beider Golfstaaten hatten die Verhandlungen zuletzt immer wieder blockiert und verzögert.

Details zu der Verständigung sind noch nicht bekannt, die konkreten Fördermengen-Begrenzungen für die einzelnen OPEC-Staaten sollen im November bei einem offiziellen Treffen festgelegt werden.

Ölpreis schnellt in die Höhe

Die Märkte reagierten euphorisch, der Ölpreis schoss in Folge des Bekanntwerdens der Einigung zeitweise um 6% in die Höhe.

Damit näherten sich die Bewertungen der weltweit wichtigsten Sorte Brent sowie der US-Sorte WTI wieder der 50-Dollar-Marke je Barrel an.

Beobachter zeigten sich jedoch skeptisch und mahnten an, die OPEC-Entscheidung nicht überzubewerten.

Denn auch wenn durch eine Deckelung der Fördermenge seitens der OPEC-Staaten das weltweite Angebot an Öl etwas reduziert werden.

Und Kapazitäten aus dem Überangebot abgebaut werden können, heißt das noch lange nicht, dass das für eine Wende beim Ölpreis ausreicht.

Wichtigstes Hemmnis sind die Staaten, die zwar Öl fördern und am Markt mitmischen, aber eben nicht zur OPEC gehören – allen voran die USA und Russland.

Um die Angebots-Reduzierung wirklich wirksam zu gestalten und damit eine Preis-Erhöhung zu erzwingen, müssten beide Länder mit ins Boot geholt werden.

Ob die allerdings dazu bereit sind, ihre eigenen Fördermengen einzuschränken, gilt als fraglich.

Es bleiben Fragen offen

Zwar sind beide Länder an einem höheren Ölpreis interessiert – gerade die Fracking-Firmen in den USA können sich bei Preisen unterhalb von 50 Dollar kaum halten, viele von ihnen sind schon Pleite gegangen.

Doch sich Forderungen der OPEC unterzuordnen erscheint ebenfalls wenig attraktiv. Zudem bleibt selbst bei knapperem Angebot die vergleichsweise geringe Nachfrage bestehen.

Da die Konjunktur weltweit eher schleppend verläuft, ist auch der Ölbedarf nicht gerade immens. Daran würde auch eine Angebots-Verknappung erst einmal nichts ändern.

Darüber hinaus zeigt die Erfahrung, dass auch die OPEC-Staaten selbst sich nicht unbedingt an die eigenen Beschlüsse halten.

Allzu oft hatte sich das Kartell bereits auf Maßnahmen verständigt, die dann jedoch nicht konsequent und von allen Beteiligten umgesetzt wurden.

Die Beschlüsse waren kaum das Papier wert, auf das sie geschrieben standen.

Kommt es diesmal doch zu einer Umsetzung, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung aus Sicht derjenigen, die von einem höheren Ölpreis profitieren.

Beobachter halten die möglichen Auswirkungen jedoch für begrenzt: Eine Preissteigerung um bis zu 10 Dollar je Barrel sei realistisch, würden die beschlossenen Maßnahmen konsequent umgesetzt.

1. Oktober 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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