Ölpreis schon bald wieder dreistellig?

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Der Ölpreis hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt – und könnte noch deutlich höher steigen, wie Analysten warnen. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Steht am Ölmarkt der nächste Preisschock bevor? Bereits in den vergangenen Monaten hat sich der Preis für Rohöl drastisch erhöht, zwischenzeitlich markierte der Ölpreis den höchsten Stand seit drei Jahren.

Doch trotz der zurückliegenden Rally könnte laut Analysten ein weiterer Anstieg bevorstehen. Das hat verschiedene Ursachen.

Trumps Iran-Alleingang

Da wären zum einen Donald Trump und sein Aufkündigen des Iran-Abkommens. Dies hatte der US-Präsident mit neuen Sanktionen sowie der Forderung verknüpft, auch die Partner der USA sollten ihre Handelsbeziehungen zu dem Ölexporteur überdenken – andernfalls könnten sie selbst von US-Sanktionen betroffen sein.

Nun ist dies eher aus iranischer Sicht dramatisch denn aus Sicht des Ölmarktes, denn erstens ist noch nicht klar, welches Volumen dem Markt dadurch tatsächlich entgeht – und zweitens könnten die Lücken durch andere Produzenten wie etwa Saudi Arabien problemlos aufgefangen werden.

Doch das Verhältnis zwischen Washington und Teheran ist nicht das einzige Problem mit Blick auf den Ölpreis. Denn die Entscheidungen der Ölkonzerne in den vergangenen Jahren könnten sich nun als Bumerang erweisen.

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Fehlende Investitionen könnten sich rächen

Rückblick: Nachdem das Barrel im Sommer 2014 noch für 110 Dollar und mehr gehandelt wurde, setzte im Herbst desselben Jahres ein massiver Preisverfall ein. Dieser drückte den Ölpreis bis Anfang 2016 auf zwischenzeitlich unter 30 Dollar je Barrel – und setzte die Ölkonzerne massiv unter Druck.

Um Anleger bei Laune zu halten, wurden Investitionen gestoppt, Projekte auf Eis gelegt, Einnahmen ausgeschüttet statt reinvestiert. Und genau das rächt sich jetzt. Durch die fehlende Erschließung neuer Ölfelder drohen in den kommenden Jahren erhebliche Lücken zwischen Angebot und Nachfrage aufzuklaffen. Und diese dürften noch vergrößert werden durch den zunehmenden Bedarf, etwa aus aufstrebenden Schwellenländern in Asien oder Lateinamerika.

Bereits Anfang 2019 könnte das Barrel bereits wieder über 90 Dollar kosten, schätzen Analysten der US-Investmentbank Bank of America/Merrill Lynch. Auch ein Anstieg auf 150 Dollar und mehr erscheint vor diesem Hintergrund mittelfristig nicht ausgeschlossen – es wäre eine historische Höchstmarke nach dem bisherigen Höchstwert von 147,50 Dollar im Sommer 2008.

Einstiegschancen für Anleger?

Zuletzt hatte der Rohölpreis wieder kräftig angezogen. Auf Jahressicht hat sich der Preis der Nordseesorte Brent sowie der US-Sorte WTI um jeweils mehr als 60 Prozent erhöht. Beide Sorten wurden Anfang der Woche zu mehr als 70 Dollar je Barrel gehandelt.

Für Anleger bieten sich unterdessen Einstiegschancen bei etablierten Ölunternehmen: Da diese ihr Geschäft in den vergangenen Jahren mit einem Ölpreis von etwa 50 Dollar je Barrel kalkuliert haben, profitieren sie vom jüngsten Preisanstieg und erwirtschaften höhere Gewinne als zuvor. Bewahrheitet sich die Prognose der Analysten, könnte hier im kommenden Jahr noch mehr drin sein.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.