Ölpreis: So hoch wie seit Ende 2014 nicht mehr

Die Nordseesorte Brent hat jetzt wieder die Marke von 75 Dollar erreicht. Lesen Sie hier meine aktuelle Einschätzung zum Ölpreis. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Nach einer Woche in den USA bin ich jetzt wieder in Deutschland – und in der Zeit ist viel passiert. Das gilt auch für den Rohstoffmarkt. Der Ölpreis hat massiv zugelegt und bei der wichtigen Nordseesorte Brent ist der Preis jetzt erstmals seit 3 Jahren wieder auf mehr als 75 USD gestiegen.

Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt die Ankündigung von US Präsident Donald Trump, dass sich die USA aus dem Iran-Atomabkommen zurückziehen werden. Wie diese Entscheidung tatsächlich die Lage verändern wird, muss sich erst noch zeigen. Doch was ich aus eigener Erfahrung aus den vergangenen Tagen nur sagen kann ist, dass US Präsident Trump dringend ein neues Thema brauchte, um sich anders in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Sobald ich dort in den vergangenen Tagen nämlich zuvor einen Nachrichtenkanal einschaltete, ging es nur noch um die Affäre mit dem Pornostar Stormy Daniels und den möglichen Auswirkungen auf Präsident Trump. Daher ist der Zeitpunkt für diese Ankündigung wohl überlegt und sorgt vielleicht tatsächlich etwas Ablenkung.

Trotz Ölpreisanstieg: Benzin in den USA extrem günstig

In den USA selbst bleibt der Preis an den Tankstellen jedoch im Vergleich zu Deutschland immer noch extrem niedrig. So kostete die Gallone Benzin rund 2,8 USD. Umgerechnet auf unsere Maße und in Euro bedeutet das einen Preis von 0,63 EUR pro Liter Benzin.

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Damit liegt der Preis in den USA bei weniger als der Hälfte im Vergleich zu deutschen Tankstellen. Anders wäre es auch gar nicht möglich, denn bei einem Preisniveau wie in Deutschland würde es sicherlich zum Aufstand kommen in den USA. Dort fahren viele Sprit schluckende SUV-Monster über die Highways und quälen sich durch die Städte wie Chicago.

Das konnte ich mir mit eigenen Augen vor Ort anschauen und nur den Kopf schütteln mit welchen gigantischen Fahrzeugen die Menschen dort auch in den Städten unterwegs sind. Sollte der Ölpreis weiter steigen, müssen auch die US-Autofahrer mit deutlich steigenden Preisen einen Zapfsäulen rechnen – ich bin schon gespannt, wie dann die Reaktion darauf ausfällt.

Fakt ist: An den USA führt momentan beim Blick auf die Ölproduktion kein Weg vorbei. Zuletzt lieferten sich die 3 Ölförder-Länder Russland, Saudi-Arabien und die USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der täglichen Produktion. Noch hat Russland hier leicht die Nase vorn mit 10,9 Millionen Barrel am Tag. Doch die USA bringen es jetzt schon auf 10,6 Millionen Barrel und dann folgt Saudi-Arabien mit 9,9 Millionen Barrel.

Wenn durch neue Sanktionen gegen Iran jetzt dem Ölmarkt bis zu 1 Million Barrel pro Tag entzogen wird, kann das den Preis natürlich kurzfristig erst einmal noch weiter antreiben. Sie sehen schon, wie stark doch politische Entscheidungen beim Öl immer wieder auf den Preis durchschlagen.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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