Ölpreis: Startschuss für eine weitere historische Kursrallye?

Auf die an den Börsen gehandelten Aktiengesellschaften wirkt eine Vielzahl von Faktoren ein. Ein wichtiger Kostenfaktor für die Wirtschaft ist die Preisentwicklung der Rohstoffe, aus denen immens viele Produkte gefertigt werden.

Der vielleicht mächtigste Einfluss-Faktor ist das Erdöl. Öl ist wohl der wichtigste Rohstoff unserer modernen Industriegesellschaft und damit im wahrsten Wortsinn das „Schmiermittel“ unserer Weltwirtschaft.

Erdöl ist wichtig zur Erzeugung von Energie und dient als Treibstoff nahezu aller Ver­kehrs- und Transportmittel. Darüber hinaus ist Erdöl wichtiger Bestandteil von Produkten unseres täglichen Lebens:

Geschätzte 90% aller chemischen Erzeugnisse werden aus Erdöl gewonnen, darunter Produkte wie Asphalt, Teer, Farben und Lacke, Kunststoffe, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel, Parfums und vieles mehr.

Wechselwirkung: Ölpreis und Aktienmarkt

Der Preis des „Schwarzen Goldes“ beeinflusst daher in hohem Maße die Weltwirtschaft und somit auch unser eigenes Leben.

Tendiert der Ölpreis höher, so heizt dies tendenziell die Infla­tion an. Denn nahezu jedes Unternehmen und auch wir selbst sind davon betroffen, nicht nur die mittel- oder unmittelbar mit der Ölindustrie in Zusammenhang stehenden.

Und sei es nur aufgrund höherer Transport- und Energiekosten: Wer mit Öl heizt, mit Kerosin fliegt, mit LKW oder Auto fährt, hat höhere Ausgaben – Geld, das wiederum für den Konsum oder für Investitionen fehlt.

Ein steigender Ölpreis ist daher tendenziell belastend für die Aktienmärkte. Ein sinkender Ölpreis hat hingegen eher entlastende Wirkung auf die Volkswirtschaften und wirkt daher in der Regel kurstreibend.

Ölpreisabsturz: Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft

Es gibt jedoch eine Ausnahmesituation, in der ein steigender Ölpreis positive Auswirkungen auf den Aktienmarkt hat:

Das ist regelmäßig dann der Fall, wenn der Preis für das „schwarze Gold“ zuvor massiv an Wert verloren hat. In einer solchen Situation befinden wir uns derzeit:

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres ist der Preis für die in den USA gehandelte Ölsorte WTI (West Texas Intermediate) in der Spitze um fast 60% gesunken. Dies war in den zurückliegenden Monaten häufig ein Belastungsfaktor für die Börsen. Denn:

Ein massiv abstürzender Ölpreis ist ja möglicherweise Merkmal einer nachlassenden Nachfrage. Und das wiederum schürt meist die Angst vor einer rezessiven Konjunkturentwicklung.

Der nachfolgende Chart zeigt die Wechselwirkung von Ölpreis-Absturz und anschließender Erholung am Aktienmarkt. Diese Grafik hatte ich Ihnen in ähnlicher Form schon einmal im Dezember des vergangenen Jahres präsentiert.

ölpreis im vergleich mit aktienmarkt-03-02-2015

Ölpreis-Abstürze wirken wie gigantische Konjunkturprogramme

Sie sehen: Ölpreis-Abstürze wirken beinahe regelmäßig wie gigantische Konjunkturprogramme für die Weltwirtschaft. Und daraus entstehen wiederum die unglaublichsten Rallyes am Aktienmarkt.

Entscheidend dafür ist eine Stabilisierung des Ölpreises: Die Marktteilnehmer möchten Signale sehen, dass der Kursabsturz beendet sein dürfte.

Vor knapp 4 Wochen, also schon frühzeitig, hatte ich Ihnen hier in Chartanalyse-Trends erste Argumente für eine solche Bodenbildung genannt. Diese haben sich inzwischen bewahrheitet!

Hurra, hurra, die Bodenbildung ist da!

ölpreis light sweet crude oil wti in usd pro barrel-03-02-2015

Ölpreis (Sorte WTI): Startschuss für eine weitere historische Kursrallye

Hier noch einmal meine Analyse vom 8. Januar:

„Die vertikalen grauen Balken zeigen nämlich eine Divergenz, also eine Abweichung. Während der Ölpreis beim rechten grauen Balken deutlich niedriger notiert, liegt der RSI-Wert (Anmerkung: Relative Stärke Index) höher als noch beim ersten Tief. …

Ein weiterer Punkt: Seit dem Sommer 2014 haben sich quasi 3 Abwärtstrend-Kanäle ausgebildet, die jeweils steiler abwärts tendieren. Aus den ersten beiden ist der Ölpreis bereits herausgefallen – das „schreit“ regelrecht nach einer Gegenbewegung.

Letzter Punkt ist die von mir eingezeichnete Abwärtstrend-Linie im RSI-Chart. Sie sehen, es fehlt nicht mehr viel, um diese Trend-Linie nach oben zu durchbrechen.“

Fazit

Sie sehen: Alle 3 von mir Anfang Januar genannten Argumente für eine Bodenbildung sind zwischenzeitlich erfüllt worden. Die kräftigen Tagesgewinne am Freitag und gestern verstärken den positiven Eindruck nur noch.

Dies könnte also der Startschuss für eine weitere, historische Kursrallye an den Aktienmärkten sein.

3. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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