Ölpreis steigt nach Trumps Iran-Ausstieg

Trump kündigt den Iran-Deal auf. Neue Sanktionen gegen Teheran könnten die Angebotsverknappung am Ölmarkt weiter verschärfen. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Es war die Meldung des Abends: US-Präsident Donald Trump kündigt das Atomabkommen mit dem Iran auf, das im Jahr 2015 nach zähen Verhandlungen zwischen Teheran einerseits und den UN-Vetomächten sowie Deutschland andererseits unterzeichnet worden war.

Der Deal sah vor, dass der Iran sein Atomprogramm drastisch zusammenkürzt – und vor allem keine Atomwaffen baut. Im Gegenzug sollten die seit Jahren bestehenden Wirtschaftssanktionen Schritt für Schritt abgebaut werden.

Trump bleibt sich treu

Profitieren sollten von dem Abkommen viele Seiten: Beispielsweise sollten Handelsbeziehungen und Investitionen der iranischen Wirtschaft zu neuem Schwung und somit der Zivilgesellschaft zu neuem Wohlstand verhelfen. Gerade deutsche Firmen nutzten den Wegfall der Sanktionen für stärkeres Engagement in der Region, das deutsch-iranische Handelsvolumen legte seither um rund 25 Prozent zu.

Eine Stabilisierung der angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten war ebenfalls ein wesentlicher Aspekt des Abkommens, das die Bewaffnung Teherans mit atomaren Sprengköpfen verhindern sollte.

Nun aber tat Trump, was er im Weißen Haus mit am liebsten tut: das politische Vermächtnis seines Vorgängers Barack Obama zerstören und zugleich seiner Anhängerschaft gegenüber demonstrieren, dass er seine Wahlversprechen einhält. Immerhin stehen im Herbst die berüchtigten Midterm-Wahlen an und Trump ist in der eigenen Bevölkerung längst nicht mehr so beliebt wie zu Beginn seiner Amtszeit. Immerhin hat er die Vereinigten Staaten in etlichen außenpolitischen Bereichen zunehmend isoliert, so nun auch mit Blick auf den iranischen Atomdeal.

Ölpreis erreicht höchsten Stand seit 2014

So verheerend die Entscheidung in ihren zahlreichen Auswirkungen sein dürfte, so vorhersehbar war sie. An den Märkten hatte man mit Trumps Schritt gerechnet und diesen bereits eingepreist, was sich in den vergangenen Tagen insbesondere am immer weiter steigenden Ölpreis abgezeichnet hat.

Ölschwemme in den USA: Weiteres Mega-Vorkommen in Texas entdecktAn dieser Stelle schaue ich verstärkt auf den Markt der Edelmetalle. Doch gerade auch beim Öl ergeben sich immer wieder spannende Überraschungen. Die gehen oft einher mit gigantischen Neuentdeckungen von… › mehr lesen

Das Barrel kostet mittlerweile so viel wie seit Herbst 2014 nicht mehr – damals hatte der verheerende Preisverfall gerade erst begonnen, der den Ölpreis auf zeitweise unter 30 Dollar je Barrel hatte abstürzen lassen.

Diese Zeiten sind vorbei: Rund 70 Dollar für ein Fass der Sorte WTI wurden am Dienstagabend fällig, für die Nordseesorte Brent waren es gut 76 Dollar. Dahinter steht die Sorge, dass durch neuerliche Sanktionen gegen Teheran zu einer deutlichen Verknappung des globalen Ölangebots führen könnten, insgesamt ist von etwa 600.000 Barrel die Rede.

Ausmaß der Sanktionen fraglich

Noch ist allerdings fraglich, inwieweit die anderen Beteiligten Trumps Linie folgen werden. Aus Europa hieß es, man wolle an dem Abkommen auch weiterhin festhalten, ähnliche Meldungen waren aus dem Iran zu vernehmen. Hinzu kommt, dass die USA ohnehin bereits seit langem kein Öl mehr aus dem Iran importieren. Das Land verkauft einen Großteil seines Rohstoffs an andere Handelspartner, seit Auslaufen der Sanktionen vor allem in die Europäische Union.

Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die Lage entwickelt und ob Teheran auf verhärtete Fronten oder den Dialog mit verbliebenen Partnern setzt – und ob diese tatsächlich bereit sind, sich den USA entgegenzustellen, die ihrerseits mit Strafen gegen diejenigen gedroht haben, die Trumps Linie nicht mittragen.

Der Ölpreis jedenfalls dürfte weiter anziehen, zumindest solange sich die Gemengelage so unübersichtlich darstellt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.