Ölpreis Trend: Das erwarten die Experten

Über das Thema Öl und die Entwicklung des Ölpreises habe ich hier im „Schlussgong“ in den vergangenen Wochen und Monaten regelmäßig berichtet. Daher waren Sie in dieser Sache stets aktuell informiert – übrigens auch im Hinblick darauf, wer vom derzeit billigen Öl profitiert und wer darunter leidet.

Bezüglich der weiteren Entwicklung des Ölpreises herrscht zwar nach wie vor relative Unsicherheit, dennoch gibt es Neues zu berichten. Bevor ich gleich auf die Neuigkeiten eingehe, möchte ich noch einmal kurz auf die Unsicherheit rund um die künftige Entwicklung des Ölpreises eingehen.

Denn diese brachte Maria van der Hoeven, die Chefin der Internationalen Energieagentur (IAE) kürzlich treffend auf den Punkt. „Ich habe keine Kristallkugel“, sagte sie im Rahmen der jüngsten Opec-Konferenz in Wien. Kurz zur Erläuterung: Die Opec ist die Organisation Erdöl exportierender Länder.

Die Fördermenge bleibt hoch

Die Opec hat kürzlich entschieden, dass die Öl-Fördermenge bei mindestens 30 Mio. Barrel pro Tag bleiben wird. Zuletzt lag die Fördermenge gar bei 31,5 Mio. Barrel pro Tag. Das ist deutlich mehr als derzeit gebraucht wird.

Die IAE hat für dieses Jahr nur einen Durchschnittsverbrauch an Opec-Öl von 29 Mio. Barrel pro Tag errechnet. Analysten von Barclays sehen Hinweise, dass die Opec allmählich zumindest einige ihrer Ziele durch die hohe Fördermenge und die niedrigen Preise erreicht hat. So habe der niedrige Preis für ein Aufleben der Nachfrage gesorgt.

In Zukunft wird die Entwicklung des Ölpreises aber vor allem davon abhängen, wie sich die Nachfrage in den USA und in China entwickelt. Denn diese beiden Länder sind die mit Abstand größten Ölverbraucher.

Für eine exakte Prognose des Ölpreises gibt es derzeit (zu) viele Fragezeichen. Eines zeichnet sich jedoch ab: Das Überangebot an Öl wird in diesem Jahr nicht nachhaltig abnehmen. Daher spricht einiges gegen einen baldigen und vor allem deutlichen Anstieg des Ölpreises.

Das erwarten die Experten

„Einem deutlichen Preisanstieg über 65 US-Dollar je Barrel hinaus steht das beträchtliche Überangebot entgegen“, sagen die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Andere Experten zeigen sich etwas optimistischer, was die Steigerung des Ölpreises angeht. So sieht Hannes Loacker, Ölexperte der Raiffeisen Bank International, den Ölpreis gegen Jahresende bei 70 US-Dollar je Barrel der Öl-Sorte Brent.

Wiederum andere Analysten gehen sogar noch einen kleinen Schritt weiter und sehen den Öl-Preis im Jahr 2016 zwischen 70 und 80 US-Dollar. Einigkeit herrscht zumindest weitestgehend in einem Punkt: So gut wie kein Öl-Experte erwartet in absehbarer Zeit Öl-Preise jenseits der 100-US-Dollar-Marke.

Fazit: Das Öl bleibt vorerst relativ günstig

Es spricht also sehr viel dafür, dass Öl – verglichen mit den alten Preisen von 100 bis 115 US-Dollar pro Barrel – auf absehbare Zeit günstig bleiben wird. Ich rechne damit, dass sich der Preis je Barrel für die Nordseeölsorte Brent 2015/2016 irgendwo zwischen 60 und 70 US-Dollar einpendeln wird.

Die sich daraus ergebenden Folgen für die Weltwirtschaft sind unterm Strich zum überwiegenden Teil positiv. Denn: Der Treibstoff der Weltwirtschaft bleibt billig. Beruhigt sich der Ölpreis, verschwindet auch ein Unsicherheitsfaktor am Aktienmarkt.

Denn: Ein zu starker Preisverfall löst Konjunktursorgen aus, weil die Nachfrage weggebrochen ist (oder das Angebot zu stark erhöht wurde) und ein zu starker Anstieg bremst die Wirtschaft. Daher ist ein relativ schwankungsarmer Ölpreis das Beste, was uns am Aktienmarkt passieren kann.

25. Juni 2015

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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