Ölpreis-Update: Die US-Produzenten benötigen höhere Preise

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Vom Absturz im März hat sich der Ölpreis sehr gut erholt. Doch für ein profitables Geschäft benötigt die US-Ölbranche Preise von rund 50 USD pro Barrel. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Nicht nur im Edelmetallsektor ist es aktuell spannend. Auch der Ausverkauf der Ölpreise hinterlässt nun deutliche Spuren in den USA. Laut der Marktexperten von Baker Hughes ist die Anzahl der Ölbohr-Rigs in den USA jetzt auf den niedrigsten Stand seit 2004 gefallen.

Das zuletzt so wichtige Fracking bei den Schieferölvorkommen befindet sich im Überlebensmodus. Dazu müssen Sie eins wissen: Die Anzahl der US-Ölplattformen wird oft als Stellvertreter für den gesamten Sektor herangezogen. Dabei wird klar: Die Schieferöl-Unternehmen sind weit davon entfernt, den Standardzustand des ewigen Wachstums wieder einzunehmen. Dafür ist Öl einfach zu billig.

Insgesamt ist die Ölproduktion in den USA zuletzt klar gesunken: Die tägliche Produktion von 13,1 Mio. Barrel sank auf zuletzt nur noch 11 Mio.Barrel. Schlimmer noch: Im ersten Halbjahr 2020 reichten 23 Schieferölgesellschaften in den USA offiziell Konkursschutz ein, mit einem kollektiven Schuldenstand von mehr als 30 Mrd. USD.

Es wird allgemein angenommen, dass die Ölpreise für die wichtige US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) auf die Marke von US-Dollar 45 bis 50 USD pro Barrel klettern müssen. Dabei geht es auch darum, dass dies für längeren Zeitraum so ist. Erst dann wird sich der höhere Preis positiv auf die US-Ölbranche auswirken können.

Neue US-Ölquellen brauchen einen Ölpreis von deutlich mehr als 40 USD

Bei 40 US-Dollar pro Barrel ist der Ausblick für neue Ölquellen nicht so gut. Es ist schlicht und einfach so, dass auf diesem Niveau ein Großteil des US-Schieferöls nicht profitabel abgebaut werden kann.

Allerdings hat der Ölpreis die Lücke vom März 2020 bislang schon wieder gut gefüllt. Hier hat sich jedoch ein starker Widerstand im Bereich um rund 50 US Dollar pro Barrel gebildet.

Doch der Preis wird nicht allein durch die Vereinigten Staaten bestimmt. Viele andere Produktionsländer brauchen dringend Geld, um ihre massiven Haushaltsdefizite zumindest teilweise ausgleichen zu können. Gerade die großen Produzenten wie Saudi Arabien oder auch Russland sind hier auf jeden Fall bestrebt, hohe Produktionsmengen in den Markt zu pumpen, um dort möglichst hohe Erträge zu erzielen.

Genau hier ergibt sich ein großer Nachteil für die US-Branche: Die Produktionskosten liegen im Allgemeinen in Saudi-Arabien deutlich unterhalb der Kosten in den Vereinigten Staaten. Daher können einige Ölförderländer wie eben Saudi-Arabien auch längere Phasen mit niedrigeren Ölpreisen besser durchstehen.

Wie sich diese Lage weiter auf den Ölpreis auswirken, werde ich Ihnen an dieser Stelle regelmäßig berichten, denn der Ölpreis ist nun einmal ein ganz wichtiger Faktor an den Rohstoffmärkten und auch darüber hinaus.

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Heiko Böhmer
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