Ölpreis-Update: Weitere Korrektur möglich

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Die Lage am Ölmarkt hat sich nach dem Preiseinbruch wieder beruhigt. Dennoch kann es immer mal wieder deutlich nach unten gehen mit dem Preis. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Für viele Rohstoffe hat 2020 bis jetzt schon eine Achterbahnfahrt gebracht. Ein gutes Beispiel ist hier der Ölpreis. Nach einem eher ruhigen Start ins neue Jahr rauschten die Preise schon vor der Corona-Krise nach unten.

Die Dynamik des Preisrückgangs verschärfte sich dann aber noch durch die Corona-Krise, so dass der Preis für die Nordseesorte Brent innerhalb von nur sechs Wochen auf ein 21 Jahrestief von 16 USD pro Barrel absackte.

Allerdings kann danach auch eine rasche Erholung zu Stande. Dazu hat sicherlich ein Mix von Aktivitäten am Ölmarkt beigetragen. So wurden im Gegensatz zu den vergangenen Jahren die Produktionskürzungen seitens der OPEC+ diszipliniert umgesetzt. Dadurch wurde das Angebot deutlich eingeschränkt.

Gleichzeitig sank auch die US-Ölproduktion stark ab. Das hängt eben auch mit den niedrigen Preisen zusammen. Gerade dieser Bereich der US-Ölproduktion im Segment Fracking benötigt deutlich höhere Preise für eine profitable Produktion.

US-Ölproduktion geht klar zurück

Daher haben viele Unternehmen die Bohraktivitäten massiv zurückgefahren. Stellen Sie sich vor: Die Bohraktivitäten sind seit Mitte März um mehr als 70 % in den USA gesunken. Bei der Zahl der aktiven Ölbohrungen mit weniger als 200 hat diese wichtige Kennziffer für den Ölmarkt USA jetzt den niedrigsten Wert seit elf Jahren erreicht.

Nun hat der wieder etwas positivere Preistrend der vergangenen Wochen sicherlich dazu geführt, dass es einen leichten Anstieg bei der Bohraktivität gegeben hat – mehr aber auch nicht. Eine echte Trendwende ist hier nicht erkennbar, zumal auch schon einige große bekannte Unternehmen der Frackingbranche zuletzt Insolvenz angemeldet haben. Das ist kein positives Signal für eine Branche, die in den vergangenen Jahren für so viele Erfolge im US-Ölgeschäft gestanden hat.

Zudem hat sich die Nachfrage auch wieder deutlich erhöht. Die Mobilitätsdaten der vergangenen Wochen zeigen es ganz deutlich: Sowohl in Europa als auch in China oder den USA hat der Verkehr deutlich zugenommen und damit auch die Nachfrage nach Treibstoffen.

Nun erwarten die ersten Experten auf Sicht der nächsten Monate sogar ein Angebotsdefizit am Ölmarkt. Grundsätzlich sollte das den Preis stützen. Aber nach Ansicht der Rohstoffexperten der Commerzbank ist dies nicht der Fall: „Eine zweite Corona-Infektionswelle, welche die Ölnachfrage erheblich bremsen würde, eine wieder steigende US-Ölproduktion und eine nachlassende Förderdisziplin der OPEC+ gelten dabei als die größten Risikofaktoren. Wir sehen das Aufwärtspotenzial bei den Ölpreisen nach dem kräftigen Anstieg in den letzten beiden Monaten als ausgereizt. Die sich abzeichnende Markteinengung dürfte in den Preisen bereits berücksichtigt sein.“

Bei diesen Voraussetzungen bleibt es spannend für die kurzfristige Entwicklung beim Ölpreis. Was hier genau passiert, werde ich Ihnen regelmäßig an dieser Stelle vorstellen – denn der Ölpreis hat nun einmal eine wichtige Bedeutung weit über den Rohstoff-Sektor hinaus.

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Heiko Böhmer
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