Ölpreis: Warum Barclays bald wieder mit 100 USD je Barrel rechnet

Saudi-Arabien und die anderen Opec-Staaten halten den Ölpreis niedrig, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen – anschließend könnte eine Angebotsverknappung die Preise wieder steigen lassen. (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Deutschland ist eine Autonation – nicht nur, weil weltweit erfolgreiche Premiummarken wie BMW, Daimler und Audi hier beheimatet sind, sondern auch, weil das eigene Auto seit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit zum Standard gehört wie Kühlschrank und Waschmaschine.

In den vergangenen Monaten dürfte das Herz vieler deutscher Autofahrer noch etwas höher geschlagen haben, denn der Sprit war so günstig zu haben wie schon lange nicht mehr. Hatte der Liter Super Benzin Anfang 2014 noch um die 1,70 Euro gekostet, hat sich der Preis an der Zapfsäule mittlerweile bei etwa 1,30 Euro eingependelt.

Verdrängungsstrategie der Opec-Staaten

Das liegt vor allem an der Entwicklung des globalen Ölpreises. Der ist seit Mitte letzten Jahres abgestürzt von mehr als 100 US-Dollar je Barrel auf inzwischen rund 50 Dollar. Zwischenzeitlich war das einstige „schwarze Gold“ sogar noch deutlich günstiger zu haben.

Das hat seine Gründe. Die Organisation Öl exportierender Staaten (Opec) hat auf den Preisverfall nicht etwa mit einer Verknappung der Förderung reagiert, ganz im Gegenteil. Die Kapazitäten wurden hochgehalten – um die missliebige Konkurrenz aus den USA aus dem Markt zu drängen.

Die Strategie scheint zunehmend aufzugehen. Das ebenso kostspielige wie umstrittene Fracking, das die Vereinigten Staaten unabhängiger von den arabischen Ölstaaten machen sollte, wird immer unrentabler und somit unattraktiver. Die ersten Unternehmen haben bereits aufgegeben, weitere dürften folgen.

Kehrtwende mit Ansage

Die Opec-Staaten hingegen haben kaum Schwierigkeiten, Phasen niedriger Ölpreise zu überstehen. Sie ziehen den Preiskrieg durch. Horrorszenarien einiger Beobachter rechnen bereits mit einem weiteren Preissturz auf nur noch 20 US-Dollar in den kommenden Monaten.

Dann allerdings dürfte eine Kehrtwende einsetzen, denn bereits jetzt führt das vergleichsweise niedrige Niveau des Ölpreises zu einer Reduzierung der Investitionen. Um halbwegs wirtschaftlich arbeiten zu können, haben viele Firmen Kosten eingespart und Projekte auf Eis gelegt.

Dieser Investitionsrückgang wird sich laut Experten der britischen Barclays Bank in den kommenden Jahren rächen – und in einem deutlichen Anstieg des Ölpreises sichtbar werden. Jüngste Schätzungen gehen von 75 bis 100 Dollar je Barrel der wichtigsten Sorte Brent im Jahr 2017 aus.

Damit liegen die Barclays-Analysten über den allgemeinen Markterwartungen, die mittelfristig von einem Anstieg auf etwa 65 Dollar ausgehen.

Kurzfristig runter, mittelfristig rauf

Entscheidend bleibt bei der Betrachtung der Ölpreisentwicklung das Zeitfenster, das in den Blick genommen wird. Kurzfristig rechnet kaum jemand mit einem deutlichen Preisanstieg, allein schon weil die Opec-Staaten und allen voran Saudi-Arabien gar nicht daran denken, ihre Fördermengen zu drosseln.

Mittelfristig allerdings spricht vieles dafür, dass sich durch eine Reduzierung der Wettbewerber sowie die zurückgefahrenen Investitionen eine Verknappung des Angebots und damit eine Steigerung des Barrel-Preises ergeben werden.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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