Ölpreis: Weiterer Preisanstieg voraus?

Erdöl Symbolbild Aufbewahrung_shutterstock_727266628_Avigator Thailand

Wie kommt die Opec aus ihrer Beschlusslage wieder heraus? Und welche Faktoren nehmen sonst noch Einfluss auf den Ölpreis 2018? (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Mit Blick auf den Ölpreis hatte das zurückliegende Jahr 2017 vor allem eine große Überraschung zu bieten: Anders als von Skeptikern anfangs angenommen haben sich die Opec-Staaten sowie zehn weitere Öl exportierende Länder nicht nur Ende 2016 auf einen Kompromiss verständigt, sondern diesen ab Anfang 2017 sogar ziemlich konsequent umgesetzt.

Bei dem Beschluss ging es um eine konzertierte Förderkürzung, zu der jedes der Länder einen festgelegten Beitrag leisten sollte. Dadurch sollte die verfügbare Ölmenge reduziert, das Überangebot verringert und Öllagerbestände auf ein normales Niveau im fünfjährigen Schnitt gesenkt werden.

Wie kommt die Opec aus dem Drosselkompromiss raus?

Bereits mehrfach wurde der Beschluss seither verlängert, denn er hat deutliche Wirkung gezeigt: Allein schon sein Zustandekommen ließ den Ölpreis Ende November 2016 in die Höhe schnellen und auch im Jahr 2017 ging der Aufwärtstrend weiter, das Barrel Öl verteuerte sich um rund 20 Prozent und kostete zuletzt mehr als 60 Dollar.

Inzwischen wurde der Kompromiss bis Ende 2018 verlängert. Beobachtern zufolge könnte jedoch das zugrundeliegende Ziel, die Lagerbestände auf Normalniveau abzusenken, bereits zur Jahresmitte hin erreicht werden. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dann womöglich schon wieder Begehrlichkeiten einzelner Ölförderstaaten geweckt werden, wieder mehr Einnahmen aus dem lukrativen Geschäft abzuschöpfen – und eben wieder mehr zu fördern.

Geopolitische Unruhen beeinflussen Ölpreis

Generell muss die Opec aufpassen, wann und vor allem wie sie den Kompromiss letztlich auslaufen lässt. Sollten alle plötzlich wieder unkontrolliert drauflos fördern, könnte sich das eher kontraproduktiv auswirken mit Blick auf den Ölpreis. Ein behutsamer Ausstieg wäre daher aus Sicht der Förderländer sinnvoll – fraglich ist jedoch, ob man sich dazu wird durchringen können.

Öl Fracking USA RED – shutterstock_175228745

Ölpreis – Bald abhängig vom Weißen Haus?Protektionismus versus Globalisierung – was Trump umtreibt, beeinflusst auch den Ölpreis. Und die OPEC kann nur zuschauen... › mehr lesen

Denn die geopolitischen Herausforderungen haben in den vergangenen Monaten eher zu- als abgenommen in der Golfregion. Die jüngsten Unruhen im Iran haben bereits gezeigt, welche Auswirkungen entsprechende Konflikte auf den Ölpreis haben können: Die Notierung je Barrel schnellte in die Höhe auf 68 Dollar – und das obwohl bislang nicht einmal Ölförderanlagen beschädigt wurden. Allein die schwelende Gefahr reicht schon aus, und könnte im neuen Jahr zunehmend an Bedeutung und Einfluss auf den Ölpreis gewinnen.

Wie positionieren sich die US-Frackingfirmen?

Spannend wird auch sein, zu beobachten, wie sich der neue Big Player am Markt etabliert: Die Rede ist von den US-Frackingfirmen, die in den vergangenen Jahren immer mehr gefördert haben und die USA inzwischen zu einem der größten Ölförderer weltweit haben werden lassen.

Auf der Nachfrageseite jedenfalls braucht man sich wohl vorerst keine Sorgen zu machen: Prognosen zufolge wird die Weltwirtschaft auch im neuen Jahr wieder kräftig wachsen, was für eine starke Ölnachfrage spricht.

Weil aber unklar ist, ob Überproduktion oder Angst vor Engpässen durch geopolitische Konflikte letztlich die Oberhand haben werden bei der Preisgestaltung, halten sich die meisten Analysten mit allzu kühnen Voraussagen zurück. Viele erwarten im neuen wie auch im alten Jahr einen Ölpreis von durchschnittlich gut 60 Dollar je Barrel.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.