Ölpreis: Welche Auswirkungen Trumps Alleingang wirklich hat

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Trump kündigt das Atomabkommen auf, am Markt war das erwartet worden und bereits eingepreist: Öl ist so teuer wie zuletzt 2014. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

US-Präsident Donald Trump ist so berüchtigt wie gefürchtet für seine politischen Alleingänge. Wie ein Elefant im Porzellanladen zertrampelt er nicht nur das politische Vermächtnis seines Amtsvorgängers Barack Obama, sondern nimmt auch keine Rücksicht auf die Interessen der Verbündeten der Vereinigten Staaten auf dem internationalen diplomatischen Parkett.

Über Jahre ausgehandelte, komplizierte Abkommen werden mit einer schwungvollen Filzstiftunterschrift vom Tisch gefegt – so wie zuletzt der Iran-Deal, der 2015 unterzeichnet wurde und eine strikte Regulierung von Teherans Atomprogramm festlegt, während im Gegenzug Handelssanktionen gelockert wurden.

Nun sind die USA aus diesem Abkommen ausgestiegen – und haben zugleich allen anderen Vertragspartnern mit scharfen Sanktionen gedroht, sollten sie ihrerseits an den Absprachen mit Teheran festhalten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind nun bemüht, eine gemeinsame Linie zu finden: Einerseits wollen sie an dem Abkommen festhalten, andererseits fürchten sie Strafen aus Washington. Denn – und das hat Trump während seiner bisherigen Amtszeit deutlich gemacht –der US-Präsident lässt Worten häufig Taten folgen, seine verbalen Drohungen sind durchaus ernst zu nehmen, auch wenn er sich häufig widerspricht. Der Mann ist unberechenbar, es ist schlichtweg mit allem zu rechnen.

Rohöl so teuer wie seit 2014 nicht mehr

Auch auf den Ölpreis hat sich der jüngste Alleingang ausgewirkt, allerdings schon im Vorfeld, denn der Ausstieg der USA aus dem Abkommen hatte sich zuvor bereits abgezeichnet. Und so schnellte der Ölpreis in den vergangenen Wochen auf den höchsten Stand seit Ende 2014.

Für ein Fass der Nordseesorte Brent wurden zuletzt gut 78 Dollar fällig, die US-Sorte WTI kostete rund 71 Dollar je Barrel. Auf Jahressicht haben sich beide Sorten um etwa 50 Prozent verteuert. Doch wie geht es nun weiter?

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Die drohenden Sanktionen könnten durchaus dazu führen, dass aus dem Iran wieder deutlich weniger Öl exportiert wird. Derzeit beliefert Teheran vor allem Europa und Teile Ostasiens mit dem begehrten Rohstoff.

Preisanstieg auf 100 Dollar?

Ein Preisanstieg auf 80 Dollar je Barrel erscheint daher in nächster Zeit durchaus realistisch. Dass sich der Preis jedoch in Richtung 100 Dollar oder darüber hinaus bewegt, halten viele Beobachter derzeit für eher unwahrscheinlich – denn daran wäre weder den USA noch Saudi Arabien als wichtigster Opec-Macht gelegen.

Beide Parteien sind vielmehr an einem stabilen und nachhaltigen Ölpreis interessiert. Gerade mit Blick auf die im Herbst anstehenden Midterm-Wahlen in den USA dürfte auch Trump ein Interesse daran haben, dass das Benzin für die Autofahrer in den Südstaaten, wo er auf Unterstützung hoffen kann, nicht noch wesentlich teurer wird.

Die drohenden Exportausfälle jedenfalls könnten wohl aufgefangen werden, immerhin drosseln die Opec-Staaten bereits seit anderthalb Jahren künstlich die eigene Produktion. Es ist daher zu erwarten, dass Saudi Arabien eingreifen und mit anderen Beteiligten über mögliche Schritte verhandeln wird.

Zunächst aber gilt es abzuwarten, wie sich Europa und die anderen Vertragspartner mit Blick auf Teheran und das wackelnde Atom-Abkommen positionieren werden.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.