Ölpreis: Wer anderen eine Grube gräbt …

Gestern und heute trafen sich die Öl-Minister der Ölförder-Staaten Saudi-Arabien, Katar, Russland und Venezuela in Doha, der Hauptstadt von Katar.

Hintergrund der Zusammenkunft war die Diskussion von Möglichkeiten, den Markt für das „schwarze Gold“ zu stabilisieren.

Tatsächlich wurden am Morgen Entscheidungen bekanntgegeben: Die teilnehmenden Länder wollen die Produktion bis auf weiteres auf dem Niveau von Januar „einfrieren“.

Durch diese Begrenzung soll, so die einhellige Ansicht, die Förderung begrenzt und in der Folge der Ölpreis stabilisiert werden.

Marktbeobachter bezweifeln, dass diese Maßnahme ausreichen wird – zumal fraglich ist, ob sich weitere Ölförder-Länder dieser Entscheidung anschließen werden.

Das jedenfalls strebt der Öl-Minister von Venezuela an, der als nächstes den Iran kontaktieren will.

Siegt am Ende doch die Vernunft?

Ich bin da deutlich optimistischer – und das sowohl aus rationalen Gründen, als auch aufgrund der Charttechnik.

Beginnen wir mit der Vernunft: Die wahre Ursache für den Ölpreis-Verfall ist das Fracking (Aufbrechen) in den USA.

Mit dieser Methode ist es möglich, Gas- und Öl-Vorkommen zu fördern, die in Gesteins-Schichten gebunden sind.

Durch die rigorose Anwendung dieses Verfahrens mutierte die USA in den vergangenen Jahren von einem Öl-Abnehmer zu einem der weltweit größten Öl-Anbieter.

Der angezettelte Ölpreis-Krieg

Ziel der „herkömmlichen“ Ölförder-Staaten war es daher, die USA durch einen Preisverfall wieder aus dem Markt zu drängen.

Laut einer Studie der Unicredit liegen die Förderkosten beim Fracking-Verfahren bei rund 75 USD pro Barrel (Fass = 159 l).

Auf diesem Niveau notierte der Ölpreis zuletzt im November 2014. Entsprechend stehen die amerikanischen Fracking-Unternehmen seither unter massivem Existenzdruck.

Allerdings ist der Ölpreis mit rund 32 USD mittlerweile so niedrig, dass aktuell nur noch Saudi Arabien profitabel Öl fördert:

Hier liegen die Förder-Kosten (Quelle: Unicredit) bei rund 25 USD. Die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) fördert im Durchschnitt zu Preisen von 36 / 37 USD je Fass.

Wer anderen eine Grube gräbt …

So betrachtet, verwundert das eingangs erwähnte Treffen der Ölminister in Doha nicht mehr:

Durch ihre ungebremste Förderung im „Ölpreis-Krieg“ haben sich nun quasi alle bedeutenden Öl-Förderer in eine existenziell schwierige Lage manövriert.

Denn: Bis Ende November 2015 war das Ölpreis-Niveau um 45 USD noch gerade eben zu managen, wie die von mir genannten Ölförder-Kosten zeigen. Russland arbeitete bis dahin an der Kosten-Schwelle (Förder-Kosten: rund 45 USD je Fass).

Kein Sprichwort beschreibt die derzeitige Lage daher wohl treffender: „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!“

Schauen wir zum Abschluss noch auf die aktuelle Charttechnik:

ölpreis brent crude oil-future-16-02-2016

Ölpreis Brent Crude Oil-Future: Momentum tendiert weiter aufwärts

Sie sehen: Der mittelfristige Abwärtstrend (durchgezogene rote Linie) seit April 2015 ist nach wie vor intakt.

Der kurzfristige Abwärtstrend (gestrichelte rote Linie) seit November wird indes schon seit 2 Wochen attackiert.

Das 50-Tage-Momentum hat nun gestern das Zwischenhoch von Ende Januar überboten (grüner Kreis; pinkfarbene Linie). Damit wurde der zarte Aufwärtstrend seit Mitte Januar bestätigt.

Fazit

Auf dem aktuell erreichten Ölpreis-Niveau verdient unter den Ölförder-Staaten nur noch Saudi Arabien Geld.

Das Treffen und die erste – wenn auch nur kleine – Einigung über eine Begrenzung der geförderten Öl-Mengen ist daher ein (fast schon lebens-) notwendiger Schritt zur Stabilisierung des Ölpreises.

Die Charttechnik gibt Anlass zur Hoffnung, dass dies gelingt: Das 50-Tage-Momentum zeigt eine anhaltende Aufwärts-Dynamik, wenngleich noch im negativen Bereich.

Es ist ein zartes Pflänzchen, aber immerhin ein Pflänzchen.

16. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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