Ölpreis: Wohin geht die Reise?

Der Ölpreis scheint sich zu konsolidieren, wenn auch rund 40 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus. Lohnt sich für Anleger jetzt der Einstieg? (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Dass der Ölpreis schwankt, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Doch ein so rasant schneller und tiefer Absturz wie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres hat viele überrascht und für reichlich Unruhe gesorgt.

Von einem Höchststand jenseits der 110-Dollar-Marke je Barrel der Sorte Brent beziehungsweise gut 100 Dollar pro Barrel der Sorte WTI im Juni vergangenen Jahres ging es rapide abwärts auf zeitweise unter 50 Dollar Anfang des Jahres 2015.

Auf diesem Niveau allerdings stoppte der freie Fall, seitdem ist ein schrittweiser Anstieg zu verzeichnen. Die Frage, die nicht nur Unternehmen, sondern auch viele Anleger beschäftigt, lautet daher: Auf welchem Niveau wird sich der Ölpreis stabilisieren?

Was den Ölpreis beeinflusst

Viel ist darüber in den vergangenen Monaten bereits gesagt und geschrieben worden. Die Frage, ob der Ölpreis steigen oder sinken wird, hängt entscheidend von den Zeiträumen ab, die man betrachtet.

Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Saudi-Arabien als Ölmacht Nummer eins hat die Macht, den Ölpreis quasi im Alleingang nach oben oder unten zu bewegen – je nachdem, ob es die Fördermenge hoch- oder runterfährt.

Dass die Fördermenge nicht gedrosselt wurde, deutet darauf hin, dass die Organisation Öl exportierender Staaten (Opec) durchaus ein vitales Interesse an dem niedrigen Preisniveau hat: Unliebsame Mitbewerber sollen dadurch aus dem Markt gedrängt werden, allen voran die aufstrebende Fracking-Industrie der USA.

Kampfpreis gegen US-Fracking-Industrie

Die USA fördern ihrerseits, was das Zeug hält, nicht zuletzt um von den Opec-Staaten unabhängiger zu werden. Allerdings können die Frackingfirmen sich nur bis zu einem bestimmten Preisniveau halten, erst ab etwa 70 Dollar je Barrel machen sie Gewinn.

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Viele geplante Investitionen in neue Förderprojekte wurden daher vorläufig auf Eis gelegt, zahlreiche Bohranlagen in Standby versetzt – doch die tatsächliche Fördermenge kaum verringert, da die bestehenden Anlagen immer mehr Öl fördern können.

Zudem haben die Vereinigten Staaten eine beachtliche Menge des schwarzen Goldes gebunkert. Die Rohölvorräte der USA liegen bereits jetzt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Nachfrageüberschuss zum Jahresende?

Global betrachtet herrscht zudem immer noch ein Angebotsüberschuss. Beobachter rechnen allerdings damit, dass sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage im vierten Quartal des laufenden Jahres umkehren und dann für anziehende Ölpreise sorgen könnte.

Diese Annahme basiert allerdings zum einen auf der Voraussetzung, dass die Ölförderung in den USA weiter zurückgeht und zugleich die Nachfrage bedingt durch das Wirtschaftswachstum ansteigt. Außerdem dürften in diesem Szenario Saudi-Arabien und die anderen Opec-Staaten ihre Förderpolitik nicht verändern.

Und dann ist da noch die latente Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung im arabischen Raum – gerade geopolitische Faktoren wie dieses Risiko haben in der Vergangenheit bereits mehrfach dazu beigetragen, den Ölpreis erheblich anziehen zu lassen.

Derzeit scheint sich der Kurs zwischen 60 und 70 Dollar je Barrel einzupendeln. Experten halten dies auch für die kommenden Monate – unter den gegebenen Bedingungen – für realistisch.

Unterm Strich bleiben Investments in die Ölbranche oder Spekulationen auf die Entwicklung aber vor allem für risikobereite Anleger interessant.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.