Ölpreisanstieg: Droht uns eine Eskalation?

Ölpreisanstieg bleiben nie ohne Wirkung auf die Aktienmärkte – allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied! (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Der Ölpreis gibt zum Wochenbeginn wieder etwas nach. Die neuerliche Eskalation im Nahen Osten hatte in der vergangenen Handelswoche für einen kräftigen Aufschlag gesorgt.

Für Konjunktur- wie auch Finanzmarktexperten ist der Ölpreis eine bedeutsame Variable, was die Einschätzung der Weltwirtschaft und der Aktienmarkt-Entwicklung betrifft. Die jüngere Börsengeschichte hält für uns diverse Beispiele bereit, wie sich eine Krise im Nahen Osten preistreibend auf das „schwarze Gold“ auswirkt.

Eine Beruhigung der Lage also? Oder müssen wir nun wieder einen eklatanten Ölpreisanstieg und entsprechende Auswirkungen auf die Aktienmärkte in Betracht ziehen? Wir werden versuchen, darauf mit Hilfe der Charttechnik eine Antwort zu finden.

Nah-Ost-Konflikte befeuern den Ölpreis

In den 1970er-Jahren (1973/74 und 1979/80) gab es gleich 2 Ölpreiskrisen, die durch Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurden. Als Anfang August 1990 der Irak gewaltsam Kuwait einnahm, verdoppelte sich der Ölpreis innerhalb von 11 Wochen von rund 20 USD auf 41 USD!

Das blieb nicht ohne Folgen für die Aktienmärkte: Der DAX stürzte von Anfang August bis Mitte Oktober 1990 um -30% ab. Die im Nasdaq Composite enthaltenen US-Technologieaktien brachen im selben Zeitraum um -26% ein.

Ölpreis und Aktien: Ein historischer Vergleich

Der nachfolgende Vergleich zwischen Ölpreis, DAX und Nasdaq Composite zeigt Ihnen einen gravierenden Unterschied bei dramatischen Verteuerungen des „schwarzen Goldes“:

Ölpreis: In Krisenzeiten reagieren die Aktienmärkte sofort negativ

Erhöht sich der Ölpreis aufgrund einer langfristigen Verschiebung der Angebots-Nachfrage-Relation, dann reagieren die Aktienmärkte zwar auch mit kräftigen Verlusten – aber erst nach einer euphorischen Zuspitzung. Beispiele dafür sind die blau markierten Phasen.

Das Beispiel macht Ihnen deutlich: Krisen im Nahen Osten, die zu einem drastischen Ölpreisanstieg führen, sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!

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Die aktuelle Entwicklung im Ölpreis

Schauen wir nun auf einen aktuellen Chart des Brent Crude Oil Futures. Zusätzlich habe ich in der Grafik das 50-Tage-Momentum eingeblendet: Dieser Indikator zeigt Ihnen Schwung und Dynamik einer Kursbewegung an.

Ölpreis: Momentum steht kurz vor einem Kaufsignal

Zunächst einmal sehen wir: Der Ölpreis befindet sich seit Anfang 2016 in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend.

Der vorhergehende mittelfristige Aufwärtstrend (blaue Linie) war Anfang Februar dieses Jahres nach unten durchbrochen worden. Hier liegt nun ein typischer Fall vor, warum Sie Aufwärtstrendlinien stets flexibel betrachten sollten:

Der Ölpreisanstieg der vergangenen Woche führte nämlich zu einem neuen Hoch, was ich Ihnen durch die pinkfarbene Linie verdeutlicht habe. Entsprechend muss die Aufwärtstrendlinie neu justiert werden (gestrichelte grüne Linie).

Fazit

Somit befindet sich der Ölpreis nun also auch wieder in einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass vom 50-Tage-Momentum in Kürze ein neues Kaufsignal generiert wird:

Nämlich dann, wenn der seit November 2017 bestehende Abwärtstrend nach oben verlassen wird (gelber Kreis). Ein dramatischer Ölpreisanstieg lässt sich daraus zwar noch nicht ableiten:

Aber zumindest sind Sie aufgrund meiner Analyse nun dafür sensibilisiert, den Zusammenhang zwischen Ölpreis und den Spannungen im Nahen Osten in den kommenden Tagen und Wochen aufmerksam zu verfolgen.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.