Ölpreissprung als vorübergehendes Phänomen

Innerhalb weniger Tage sprang der Ölpreis von 42,80 $ auf 53,80 $ pro Barrel. Eine Trendwende ist das jedoch nicht. Nach wie vor gibt es mehr Öl als derzeit benötigt wird. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Ende August sprang der Preis für Öl der Sorte Brent innerhalb weniger Tage von 42,80 $ auf 53,80 $ pro Barrel.

Die Welt sucht nach Erklärungen. Einerseits wurde auf überraschend gute Konjunkturdaten aus den USA und Europa verwiesen, andererseits auf einen Bericht der US-Energiebehörde, wonach die Ölproduktion in den USA zwischen April und Juni um 250.000 Barrel am Tag geringer war als erwartet.

Wieder andere beriefen sich auf ein Dokument, wonach die OPEC-Länder über eine mögliche Drosselung der Förderung nachdenken würden. Diese Nachrichten haben zwar zunächst den Preis nach oben getrieben, die ab dem 26. August folgende Heftigkeit hat aber eine andere Ursache.

Etliche Händler, die auf einen weiteren Ölpreisverfall gesetzt hatten wurden auf dem falschen Fuß erwischt und waren gezwungen, bei steigenden Preisen aufgrund der beiden Nachrichten ihre Kontrakte zu schließen, um die Verluste in Grenzen zu halten.

Diese Käufe in einem Markt mit niedrigen Umsätzen dürften dann den Preisanstieg beschleunigt haben.

Nachhaltige Trendwende ist nicht in Sicht

Zwischenzeitlich ist der Ölpreis wieder auf 50 $ zurückgekommen. Schon zwischen Mitte Januar und Anfang Mai war der Preis unter großen Schwankungen von 48 $ auf 68 $ gestiegen, und alle dachten, der Spuk sei vorüber. Ein Trugschluss, wie der nachfolgende Absturz zeigte.

Denn für eine nachhaltige Trendwende gibt es keinen Grund. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur ist das Überangebot im 2. Quartal auf 3 Mio Barrel pro Tag angewachsen.

Ölpreis: Weiterer Preisanstieg voraus?Wie kommt die Opec aus ihrer Beschlusslage wieder heraus? Und welche Faktoren nehmen sonst noch Einfluss auf den Ölpreis 2018? › mehr lesen

Ungeachtet dessen werden die Ölproduzenten aus Nahost, allen voran die Saudis, die Förderung hoch halten, um Wettbewerber wie die USA und Russland zu treffen und die Marktanteile zu verteidigen, auch auf Kosten eines defizitären Staatshaushaltes.

Demnächst wird auch noch der Iran seine Produktion hochfahren. Und letztlich besteht Unsicherheit hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung in China. Bisher jedenfalls zeigten die staatlichen Eingriffe wenig Wirkung.

Alle haben Federn gelassen

Der Ölpreisverfall hat die Branche im 1. Halbjahr mit voller Wucht getroffen. Einige Konzerne sind sogar in die roten Zahlen gerutscht. Halbwegs glimpflich sind die Branchenvertreter davongekommen, die neben der Ölsuche auch Raffinerien betreiben, denen der niedrige Ölpreis in die Karten spielt.

Dennoch werden auf breiter Front Stellen abgebaut und die Investitionen gekürzt. Expertenschätzungen zufolge haben die Konzerne seit Jahresbeginn 180 Mrd $ weniger in die Ölsuche gesteckt.

Auf Dauer könnte sich der Sparkurs rächen, weil zu wenig neue Lagerstätten erschlossen werden. Ein anderer Weg Kosten zu sparen, sind Übernahmen oder Fusionen. Denn der Zukauf von Reserven kann billiger sein als selbst auf Ölsuche zu gehen.

In diesem Licht ist die Übernahme der BG Group durch Royal Dutch Shell zu sehen. Es gibt aber auch Stimmen, die den Deal für zu teuer halten. Dennoch könnte Shell eine neue Konsolidierungsrunde eingeläutet haben. Selbst ein Big Player wie BP gilt als Übernahmekandidat. Einen wirklichen Branchenfavoriten gibt es nicht.

Derzeit sprechen für die Ölkonzerne einzig die attraktiven Dividenden, die zum Teil sogar erhöht wurden, um die Anleger bei der Stange zu halten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.