Ölpreisverfall setzt auch die OPEC unter Druck

Mitte 2014 setzte der Ölpreis zur Talfahrt an, die offensichtlich immer noch kein Ende gefunden hat.

Am 20. Januar erreichte der Preis seinen vorläufigen Tiefpunkt bei 28,50 $ pro Barrel. Zwar steigt die Ölnachfrage kontinuierlich. Noch schneller ist aber das Angebot in den letzten 2 Jahren gewachsen. Die OPEC-Staaten, allen voran Saudi-Arabien, pumpen auf Teufel komm raus, um die Konkurrenz aus Nordamerika in die Knie zu zwingen.

Denn Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko, Ölsand- und Schiefergasproduktion sind erst ab einem Ölpreis von 60 $ pro Barrel rentabel. Doch die Strategie scheint nicht so schnell aufzugehen wie erwartet. Zwar hat sich die Zahl der Förderanlagen in den USA seit Anfang 2014 auf rund 500 mehr als gedrittelt, und 42 Unternehmen sind im vergangenen Jahr Pleite gegangen.

Doch die Produktionsmenge ist kaum gesunken. Im Gegenteil: Big Player wie Chevron, Exxon oder Total haben die Produktion hochgefahren, die Investitionen in die Suche nach neuen Vorkommen gekürzt und massiv Stellen abgebaut, um Einnahmen und damit die Dividende für die Aktionäre zu sichern.

Zudem sorgt der niedrige Ölpreis für hohe Gewinne im Raffinerie- und Tankstellen-Geschäft, mit denen die Verluste in der Produktion in Grenzen gehalten werden können. Bei Ölpreisen dauerhaft unter 30 $ pro Barrel wird es selbst für die reichen OPEC-Länder eng.

Saudi-Arabien meldete für 2015 bereits ein Haushaltsdefizit von 98 Mrd $. In Venezuela droht sogar die Staatspleite. Und auch beim stark öl- und gasabhängigen Nicht-OPEC-Mitglied Russland reißt der Preisverfall tiefe Löcher in den Staatshaushalt.

Unterschiedliche Interessen erschweren einheitliches Vorgehen

Mitte Februar haben sich Saudi-Arabien, Katar, Venezuela und Russland darauf geeinigt, die Fördermenge auf dem Januar-Niveau einzufrieren. Kuwait, der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen sich der Vereinbarung anschließen. Der Iran unterstützt ebenfalls Bestrebungen, den Preisverfall zu stoppen, hat aber keine Drosselung der eigenen Förderung zugesagt.

Im Gegenteil: Der Iran hat Nachholbedarf, will frühere Absatzmärkte in Europa zurückerobern und wird deshalb die Förderung noch steigern. Erst wenn die Produktion das Niveau von 4 Mio Barrel am Tag erreicht hat, so viel wurde vor den wirtschaftlichen Sanktionen gefördert, kommt für den Iran eine Drosselung in Betracht.

Derzeit werden rund 3 Mio Barrel gefördert. Das heißt aber auch: Solange die Golfstaaten nicht an einem Strang ziehen, wird der Ölpreis im Keller bleiben. Hinzu kommt, dass eine Drosselung schon aus technischen Gründen auf die Schnelle gar nicht möglich ist.

Ab 2017 könnte es mit den Preisen wieder aufwärts gehen

Die Einigung hat den Preisverfall vorerst gestoppt. Eine nachhaltige Erholung ist aber noch nicht in Sicht. Die meisten Experten rechnen erst ab 2017 mit einem Ölpreisanstieg Richtung 70 $ pro Barrel. Auf jeden Fall werden die Investitionskürzungen langfristig zu einer massiven Angebotsverknappung und damit zu höheren Preisen führen.

Aktuell sind Ölwerte nur wegen der hohen Dividende interessant. Die Beobachtung der BG Group haben wir nach der Übernahme durch Royal Dutch Shell beendet.

5. April 2016

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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