Ölproduzenten: Unsere 4 Favoriten – einer davon Shell

Nach einem schwächeren Jahresauftakt hat Royal Dutch Shell die Markterwartungen im 2. Quartal übertroffen.

Bei einem Umsatz von 111,2 Mrd $ leicht unter Vorjahresniveau haben sich der Nettogewinn auf 5,3 Mrd $ mehr als verdreifacht und der Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten (CCS) auf 5,15 Mrd $ mehr als verdoppelt. Das CCS-Ergebnis ist eine der wichtigsten Ertragskennziffern in der Branche um die Ölkonzerne zu vergleichen.

Die tägliche Öl- und Gasförderung lag nahezu unverändert bei 3,08 Mio Barrel. Profitiert hat Royal Dutch Shell von gestiegenen Ölpreisen sowie höheren Beiträgen der Töchter Deepwater, Integrated Gas und aus dem Irak. Hinzu kamen Veräußerungserlöse.

Mit seiner Portfoliobereinigung kommt der Konzern zügig voran

Das 15 Mrd $ schwere Veräußerungsprogramm wurde schon zu mehr als der Hälfte umgesetzt. Im Juni hat Royal Dutch Shell rund 3 Mrd $ für einen 9,5%-Anteil am australischen Gasförderer Woodside Petroleum erhalten. Für die restlichen 13,6% wird noch ein Interessent gesucht.

Jetzt trennt sich Royal Dutch Shell von Schiefergasfeldern in den USA. Wert: 2,1 Mrd $. Die Gasaktivitäten verursachen hohe Entwicklungskosten, werfen aber geringe Margen ab. Denn der Gaspreis ist in diesem Jahr deutlich gesunken. Zudem will der Konzern in Nigeria mehrere Ölfelder und eine Pipeline für 5,2 Mrd $ verkaufen.

Auch die Aktionäre sollen an der besseren Entwicklung teilhaben

In den Jahren 2014 und 2015 sollen insgesamt 30 Mrd $ in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an die Anleger weitergegeben werden. Die Sanktionen gegen Russland sind für Royal Dutch Shell kein Risiko, da der Konzern dort kaum aktiv ist.

Unternehmensporträt

Royal Dutch Shell ist nach Umsatz der weltweit zweitgrößte Ölkonzern. Die Doppelholding wurde 2005 abgeschafft und eine einheitliche Konzernstruktur mit einem Management gebildet. Geschäftsfelder sind Exploration und Produktion von Öl und Gas, petrochemische Produkte sowie erneuerbare Energien. Zudem betreibt der Konzern das weltgrößte Tankstellennetz.

Chevron hat solide Zahlen für das 2. Quartal präsentiert

Der Umsatz stieg um 1% auf 57,9 Mrd $ und der Gewinn um 5,6% auf 5,67 Mrd $. Im Upstream-Geschäft hat der Konzern dank höherer Öl- und Gaspreise sogar 6,4% mehr verdient. Denn die tägliche Förderleistung lag mit 2,55 Mio Barrel 1,4% unter Vorjahresniveau. Verantwortlich war die um 2,3% zurückgegangene Auslandsproduktion.

Die Downstream-Sparte mit den Raffinerien und Tankstellen warf dagegen etwas weniger Gewinn ab. Profitiert hat Chevron aber auch von Sondererträgen. Im Juni hatte der Konzern im Tschad Anteile an Förderlizenzen und an einer Pipeline für 1,3 Mrd $ verkauft.

Solide Bilanz

Die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 59% und einem Cash-Bestand von aktuell 14,2 Mrd $ immer noch solide. Allerdings sind die hohen Aufwendungen für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe nicht mehr durch den freien Cashflow gedeckt. Im 1. Halbjahr stand Investitionen von 17,5 Mrd $ nur ein operativer Cashflow von 16,3 Mrd $ gegenüber. Im Gesamtjahr will Chevron fast 40 Mrd $ investieren, den Großteil davon in die Suche und Ausbeutung neuer Vorkommen.

Bis 2017 will der Konzern die tägliche Förderung auf 3,1 Mio Barrel hochfahren. Die Hoffnungen ruhen auf 15 neuen Projekten unter anderem in Australien und im Golf von Mexiko, die in diesem und im kommenden Jahr an den Start gehen werden. Der hohe Investitionsaufwand wird sich aber nur auszahlen, wenn der Ölpreis dauerhaft über der Marke von 100 $ notiert.

Das Förderziel ist zwar ambitioniert, die Rentabilität im Branchenvergleich aber immer noch hoch.

Unternehmensporträt

Chevron Corp. ist einer der weltgrößten Energiekonzerne und der zweitgrößte Ölproduzent der USA. Mit seinen Geschäftsfeldern deckt Chevron die gesamte Palette der Industrie ab, von der Exploration und Produktion über den Transport, die Raffinierung bis hin zur Vermarktung von Öl und Gas. Daneben fördert Chevron Kohle und stellt petrochemische Produkte her.

Occidental Petroleum: Umsatz und Gewinn gesteigert

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ist es Occidental Petroleum gelungen, Umsatz und Gewinn sowohl im 2. Quartal als auch in den ersten 6 Monaten zu steigern. Das Erfolgsgeheimnis: Der Konzern konzentriert sich im Wesentlichen auf den Bereich Exploration & Produktion und regional auf den boomenden Heimatmarkt.

Im 2. Quartal stiegen der Umsatz um 5,2% auf 6,3 Mrd $ und der Gewinn um 8,2% auf 1,43 Mrd $. Alle drei Sparten sind gewachsen. In den USA stieg die Ölproduktion zum vierten Mal in Folge und erreichte den Rekordwert von 278.000 Barrel, ein Plus von 6,5%. Besonders erfolgreich war Occidental Petroleum einmal mehr im texanischen Permian-Becken, einem der ergiebigsten Ölfelder in den USA.

Dort stieg die Produktion um 21% auf 40.000 Barrel. Weltweit ging die Ölproduktion um 2,3% auf 471.000 Barrel zurück. Rechnet man die Gasförderung hinzu, kommt Occidental Petroleum auf eine tägliche Förderleistung von 742.000 Barrel. Das sind 3,9% weniger als im Jahr zuvor. Verantwortlich waren Produktionsunterbrechungen durch Aufstände und Streiks in Kolumbien und Libyen.

Wachstumskurs soll fortgesetzt werden

Occidental Petroleum verfügt nicht nur über eine starke Bilanz, auch Umsatzrendite und Cashflow-Marge suchen in der Branche ihresgleichen. Auch in den kommenden Jahren dürfte Occidental Petroleum seinen profitablen Wachstumskurs fortsetzen. Denn dem Konzern gelingt es, die Förderkosten immer weiter zu senken, dieses Jahr sogar um 17%.

Gleichzeitig erlaubt die zunehmende Ertragsstärke kontinuierliche Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe. Unsere Umsatz- und Gewinnschätzung für 2014 haben wir leicht angehoben und erhöhen das Timing auf 4 Sterne. Im vergangenen Jahr profitierte Occidental Petroleum von einem Sonderertrag.

Unternehmensporträt

Occidental Petroleum ist der viertgrößte Öl- und Gaskonzern in den USA. Occidental exploriert, produziert und vermarktet Rohöl und Erdgas. Daneben produziert und verkauft das Unternehmen zahlreiche Basis- sowie Spezialchemikalien. Occidental ist zudem in der Petrochemie engagiert. Förderstätten befinden sich in Argentinien, Bolivien, Kolumbien, Libyen, Katar, Irak, Oman und Jemen.

21. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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