Ölschwemme auf dem Weltmarkt hält an – Preisanstieg lässt auf sich warten

Freuen Sie sich auch so wie ich seit einigen Wochen auf die Fahrt zur Tankstelle? Ganz klar: Die Treibstoffpreise in Deutschland geben Anlass zur Freude. Laut aktueller Marktdaten dürfte der Ölpreis vorerst auch noch auf dem niedrigen Niveau verharren.

Ein Grund sind die immer weiter steigenden Lagerbestände – vor allem in den USA. Von dort kamen gestern die aktuellen Daten zu den Lagerbeständen und das mit einem ungewöhnlichen Ergebnis. Erstmals sind dort die Bestände auf mehr als 400 Mio. Barrel angestiegen. Im Vergleich zur Vorwoche kletterten die US-Ölbestände um 8,9 Mio. auf 406,7 Mio. Barrel.

Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Dieser Anstieg um 8,9 Mio. Barrel entspricht in etwa der täglichen Fördermenge in den USA. An diesem weiteren Anstieg erkennen Sie vor allem eins: Die Produktion in den USA geht nicht zurück.

Eigentlich wäre es doch eine normale Reaktion auf die immer stärker fallenden Ölpreise mit einer Einschränkung des Angebots zu reagieren. Das hat die OPEC in ihren stärksten Zeiten egelmäßig praktiziert. Danach führte die Angebotsverknappung wieder zu steigenden Preisen.

Doch heute funktioniert das Spiel eben nicht mehr: Immer mehr Anbieter von Öl nehmen auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle ein, die gar nicht mehr in der OPEC vertreten sind. An vorderster Stelle sind hier die USA zu nennen.

Aber wie mir erfahrene Energieexperten wie der Amerikaner Chris Berry erst kürzlich auf der Konferenz in Vancouver erklärten, können viele Ölproduzenten ihre Produktion gar nicht zurückfahren. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Kreditverbindlichkeiten, die aus der laufenden Produktion bezahlt werden müssen.

US-Ölbranche produziert weiterhin zu viel Öl – um die Kredite bezahlen zu können

Für die Praxis heißt das: Viele Ölproduzenten liegen mit ihren Kosten oberhalb des aktuellen Niveaus. Sie produzieren aber trotzdem und fahren Verluste ein, damit aus den Einnahmen wenigsten die Kreditkosten gedeckt werden können.

Hier hinterlässt der massive Preiseinbruch auch massive Folgen. Denn eins ist klar: Einen solchen Absturz der Ölpreise hatte nun wirklich keiner auf dem Radar. Die Dynamik des aktuellen Absturzes kann für viele Produzenten schon massive Folgen haben.

Aber die Entwicklung in den vergangenen Wochen zeigt auch eine klare Beruhigung: Der Absturz in Richtung der 40 Dollar Marke ist erst einmal beendet worden. Ausgehend vom aktuellen Niveau bietet sich in den kommenden Monaten deutliches Potenzial.

29. Januar 2015

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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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